Letzte Aktualisierung: 22. Mai 2026
Pressemitteilung
Ex- und Importe zwar im Aufwind, aber verschlechterte Perspektiven wegen Iran-Krieg / Brossardt: „Anstieg der Ausfuhren ins europäische Ausland gleicht Einbußen im USA-Geschäft aus“
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Die bayerische Wirtschaft exportierte in den ersten drei Monaten 2026 Waren im Wert von rund 57,5 Milliarden Euro. Das waren 1,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Importe stiegen von Januar bis März dieses Jahres um 4,0 Prozent auf knapp 57,9 Milliarden Euro. Das Exportplus im ersten Quartal 2026 war vor allem dem kräftigen Anstieg von 8,5 Prozent im März zu verdanken. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamts hervor, welche die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. ausgewertet hat.
Dazu erklärt vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt: „Der Anstieg der Ausfuhren ist zwar erfreulich, gleichzeitig dürfen die Zahlen nicht überbewertet werden. Der Iran-Krieg und seine Folgen haben nicht nur zu massiven Steigerungen der Energiekosten geführt, sondern bringen die globalen Lieferketten durcheinander und schwächen damit die Weltwirtschaft. Wir gehen davon aus, dass sich die Auswirkungen des Konflikts in den Zahlen der kommenden Monate negativ niederschlagen werden. Bezeichnend ist zudem, dass der Freistaat im ersten Jahresviertel ein Handelsdefizit von knapp 353 Millionen Euro aufweist, im Vorjahresquartal gab es noch einen Überschuss von 827 Millionen Euro. Das zeigt: Die schwierige wirtschaftliche Lage im In- und Ausland geht an die Substanz. Wir erwarten daher eine zügige Einigung auf das von der Bundesregierung versprochenes Reformpaket.“
Die Betrachtung der wichtigsten Exportmärkte verdeutlicht die Rolle Europas als Stabilitätsanker für den bayerischen Export. „Die Ausfuhren in unsere EU-Partnerländer stiegen um fast zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Nach Tschechien, Polen, Spanien und Italien gab es sogar zweistellige Wachstumsraten“, betont Brossardt und macht deutlich: „Europa stärkt die bayerische Wirtschaft. Gleichzeitig kompensiert es die Einbußen aus dem Handel mit unserem wichtigsten Exportmarkt, den USA. Die Ausfuhren dorthin sanken im Vorjahresvergleich um knapp 19 Prozent. Fakt ist: In einer Welt der Umbrüche und Krisen bleibt der europäische Binnenmarkt unsere Lebensversicherung. Diesen gilt es weiter zu vertiefen.“ Die Exporte in die Volksrepublik China, dem größten bayerischen Handelspartner, stiegen unterdurchschnittlich um 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.
Die Daten zu den wichtigsten Exportgütern zeigen ein gemischtes Bild: So stiegen im ersten Quartal vor allem die Ausfuhren im Elektrobereich zwischen vier und acht Prozent. Dabei handelte es sich um nachrichtentechnische Geräte sowie Geräte zur Elektrizitätserzeugung und -verteilung. Die Exporte von Pkw sanken dagegen um 12,6 Prozent. Dazu Brossardt: „Die De-Industrialisierung in den Branchen, die für unseren Standort so zentral sind, setzt sich weiter fort. Ohne attraktive Standortbedingungen können wir diesen gefährlichen Trend nicht aufhalten. Wir appellieren daher umso energischer an die Bundesregierung einerseits, ein umfassendes und grundlegendes Reformparket rasch in die Wege zu bringen, und andererseits an die Gewerkschaften, den hohen Arbeitskosten Einhalt zu gebieten, da diese ein großes Investitionshemmnis darstellen und den Verlagerungsdruck deutlich erhöhen.“