Letzte Aktualisierung: 22. Mai 2026
Pressemitteilung
Hausgemachte Schwächen belasten Standort enorm / Brossardt: „Hohe Arbeits- und Energiekosten sind massives Investitions- und Standortrisiko“
Inhalt teilen
Seit 2019 untersucht die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. die Risikoeinschätzung von Unternehmen. Die Unternehmen sehen auch in diesem Jahr höhere Risiken als im Vorjahr. Fast jeder der 18 abgefragten möglichen Risikofaktoren hat an Gewicht gewonnen. Trotz wachsender internationaler Unsicherheit und Krisen prägen vor allem Standortschwächen die Risikowahrnehmung. „Mit großer Sorge betrachten wir, dass Investitionen in Deutschland erschwert und damit ins Ausland getrieben werden. Das gilt vor allem aufgrund von hausgemachten Problemen. Der deutsche Reformstau ist ein unhaltbarer Zustand, dessen Auswirkungen sich in einer zunehmenden De-Industrialisierung zeigen“, fasst vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt die Ergebnisse der vbw Studie „Internationale Risiken für Unternehmen“ zusammen. Die Studie wurde vom IW Köln erstellt.
Den deutschlandweiten Spitzenplatz bei den Risiken teilen sich Fachkräfteengpässe und die Bürokratie: Für insgesamt 86 Prozent stellen sie ein Risiko oder sogar ein hohes Risiko dar. Auf den weiteren Plätzen folgen Cyberkriminalität (85 Prozent), der Ausfall kritischer Infrastruktur (83 Prozent) und die Arbeitskosten (79 Prozent). Die Studie unterscheidet zwischen besonders hoch und allgemein wahrgenommenen Risiken. „Unter den Risiken, die als besonders hoch bezeichnet werden, stechen die Arbeitskosten mit einem Anteil von 55 Prozent heraus. Bayerische Unternehmen nehmen die lokalen Risiken etwas anders wahr – hier dominiert aktuell die Sorge vor dem Ausfall kritischer Infrastruktur mit ebenfalls 55 Prozent hohem Risiko. Einen Rückgang von hohem Niveau aus verzeichnet dagegen der Risikofaktor Bürokratie“, so Brossardt.
Risikomanagement ist für die Unternehmen tägliches Geschäft. Wo die Vorsorge auf Unternehmensebene an ihre Grenzen stößt, bedroht die aktuelle Risikolage die Zukunft des Standorts. Gerade die heimischen Risikofaktoren wiegen so schwer, dass Geschäftsmodelle in Frage gestellt, Investitionen zurückgefahren und Verlagerungen ins Ausland angestrebt werden. Insbesondere kostenrelevante Risikofaktoren hemmen Investitionen und behindern damit die zwingend notwendige Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen. So sind die hohen Arbeitskosten für rund 28 Prozent der Unternehmen das größte Investitionshemmnis, und in gleichem Umfang stellen sie Geschäftsmodelle in Frage – beides zusammen erhöht den Verlagerungsdruck deutlich. „Das ist bedenklich. Wir müssen mit maßvoller Entwicklung von Entgelt entgegensteuern und Lohnzusatzkosten mindern“, fordert Brossardt und ergänzt: „Ähnlich lähmend für die wirtschaftliche Entwicklung sind Fachkräfteengpässe und Energiekosten.“
Unterschiede zeigen sich hinsichtlich der Unternehmensgröße: Großunternehmen zeigen sich am sensibelsten für Risiken. „Einer hoher Grad an Internationalisierung, den wir dringend brauchen, führt besonders schnell ins Ausland, wenn das Umfeld nicht mehr stimmt. Das sollte die Bundesregierung beim Reformtempo berücksichtigen“, so Brossardt abschließend.
Sie finden die Studie „Internationale Risiken für Unternehmen“ hier online.