Letzte Aktualisierung: 19. Dezember 2019

Vorsprung Bayern

Einstieg und Sprungbrett

Auf ihrem Kongress Lohnmobilität in Bayern unterstrich die vbw die Bedeutung des Niedriglohnbereichs als Ein- und Aufstiegschance im Arbeitsmarkt: „Der Niedriglohnbereich ist für langzeitarbeitslose und geringqualifizierte Menschen ein wichtiger Zugang in ein Beschäftigungsverhältnis und darf nicht weiter reguliert werden“, so Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw.

In Bayern ist der Anteil von Beschäftigten im Niedriglohnsektor besonders gering, so das zentrale Ergebnis der vbw Studie „Niedriglohn und Lohnmobilität in Bayern“. Während im Bundesschnitt 21,2 Prozent der Beschäftigten im Niedriglohnsektor arbeiten, sind es in Bayern knapp 19 Prozent, im städtischen Raum nur 13 Prozent. „Zudem ist die Chance, als Geringverdiener finanziell und sozial aufzusteigen, in Bayern besonders gut“, stellte Brossardt fest. Rund 27 Prozent der Niedriglohnbeschäftigten im Freistaat erreichen innerhalb eines Jahres den Normallohnbereich und erhalten dabei ein Lohnplus von über 46 Prozent.

Teilqualifizierung als Instrument zur Qualifizierung

An- und ungelernte Beschäftigte verbleiben in der Regel länger im Niedriglohnbereich. Hier setzt das Projekt „Chance Teilqualifizierung“ an, das die vbw mit dem Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft ins Leben gerufen hat. Seit 2007 gelang es, über 15.400 Arbeitskräfte durch Weiterbildungsmaßnahmen zu qualifizieren. Rund 1.200 Unternehmen haben sich bereits beteiligt.

Kerstin Schreyer, bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, wies darauf hin, welchen Wert Arbeit generell und über das pekuniäre hinaus hat. Dies betrifft viele Aspekte, etwa die Selbstachtung oder auch das Thema Gesundheit. Wichtig sei es, den Menschen immer wieder berufliche Perspektiven zu geben. Auch in der gegegenwärtigen konjunkturellen Delle herrsche in Bayern derzeit immer noch ein aufnehmender Arbeitsmarkt. Umso mehr solle man auf die Menschen schauen, die im Niedriglohnbereich arbeiten. Sie lobte auch die Kultur der Sozialpartner in Bayern und das gute Miteinander von Gewerkschaften und Arbeitgebern. Bei allen diskutierten Themen sei auch immer zu beachten, dass "wir derzeit auch einen Höchststand bei der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben".

Herausforderung Digitalisierung

Welche Wirkungen die fortschreitende Digitalisierung entfalte, ist in den Augen der Ministerin noch offen. “Fest steht jedoch, dass sie stattfindet”, so Schreyer. Deshalb plädiert die CSU-Politikerin dafür, das Thema aktiv anzugehen und den Bereich der Qualifizierung zu stärken: “Wir wollen wenn möglich nur Gewinner haben”, erklärt die Ministerin. Deswegen sei es der bayerischen Staatsregierung besonders wichtig, Umbrüche wie derzeit in der Automobilindustrie aktiv und konstruktiv zu begleiten.

Bayern mit unterdurchschnittlichem Niedriglohnbereich

Dr. Oliver Stettes stellte die Studie „Niedriglohn und Lohnmobilität” vor und präsentierte auch etliche neue Zahlen. Die Gesamtaussage sei laut dem Arbeitsmarktforscher des iw Köln dadurch nicht in Frage gestellt, sondern die Quintessenz des bereits im Sommer 2019 erstellten Papiers bestätigt wurden. Die Folien mit den neuen Zahlen finden Sie im Downloadbereich unten.

Eva Lettenbauer, Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der Grünen in Bayern, kritisierte in der von BR-Journalist Karsten Böhne moderierten Diskussion die Lage in Bayern und wies darauf hin, dass der Vergleich mit anderen Bundesländern nicht weiter führe. Sie forderte einen Mindestlohn und sieht den Niedriglohnbereich als Armutsfalle an.

Die Ergebnisse der ursprünglichen Studie „Niedriglohn und Lohnmobilität“ finden Sie unter: www.vbw-bayern.de/niedriglohn_lohnmobilität

Information
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Vortrag
Folien Vortrag Dr. Stettes

Bilder VB Lohnmobilität (6 Bilder)


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