Letzte Aktualisierung: 03. Juni 2022

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MINT-Frühjahrsreport 2022: In Deutschland fehlen 320.600 MINT-Arbeitskräfte

Die MINT-Arbeitskräftelücke lag im April 2022 bei 320.600 Personen. Damit wurde für den Monat April ein Rekordwert erreicht. Die deutsche Wirtschaft hat besonders großen Bedarf an MINT-Facharbeiter*innen, hier liegt die Arbeitskräftelücke bei 149.800 Personen. Ein hoher Bedarf ist auch bei den MINT-Expertenberufen (136.300) sowie MINT-Spezialistenberufen (34.400) festzustellen. Die Arbeitskräfteengpässe sind besonders in den Energie-/Elektroberufen (82.500) und in den IT-Berufen (60.600) zu beobachten.

Insbesondere aufgrund des demografischen Wandels wird der Bedarf an MINT-Akademiker*innen und MINT-Facharbeiter*innen in Zukunft weiter steigen. Insgesamt steigt der jährliche demografische Ersatzbedarf an MINT-Arbeitskräften in fünf Jahren um 25.300 Personen.

Dekarbonisierung: steigende MINT-Bedarfe für den Klimaschutz

32 Prozent der Unternehmen erwarten, dass sich der Bedarf an IT-Expert*innen zur Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Produkte in den kommenden fünf Jahren erhöhen wird. Außerdem benötigen 19 Prozent der Unternehmen Ingenieur*innen, um die Dekarbonisierung voranzutreiben. Bei den Unternehmen mit einer Größe ab 250 Mitarbeiter*innen gehen sogar 63,2 Prozent von einem steigenden Bedarf an IT-Expert*innen und 43,1 Prozent von einem steigenden Bedarf an Ingenieur*innen aus.

Digitalisierung: steigende Bedarfe in IT-Berufen

Die zunehmende Digitalisierung steigert den Bedarf an MINT-Arbeitskräften in IT-Berufen deutlich. Die Zahl der IT-Fachkräfte ist von Ende 2012 bis zum Ende des 3. Quartals 2021 um 68,6 Prozent gestiegen. Im Vergleich dazu hat sich die Beschäftigung in den MINT-Facharbeiterberufen um 3,6 Prozent erhöht. Auch bei IT-Expertenberufen war der Anstieg um 105,8 Prozent deutlich höher als bei den MINT-Expert*innen insgesamt (+40,2 Prozent).

Zuwanderung: hoher Beitrag zur MINT-Fachkräftesicherung

Das Beschäftigungswachstum von ausländischen Arbeitnehmer*innen im MINT-Bereich ist im Zeitraum vom 4. Quartal 2012 bis zum 3. Quartal 2021 um 62,8 Prozent gestiegen. Die Beschäftigung von Deutschen in MINT-Facharbeiterberufen ist im selben Zeitraum hingegen leicht gesunken (-1,2 Prozent). Auch in den MINT-Spezialistenberufen war der Zuwachs unter den ausländischen Beschäftigten (+92,5 Prozent) deutlich höher als unter den deutschen Arbeitnehmer*innen (+10,5 Prozent). Das starke Beschäftigungswachstum von ausländischen Arbeitnehmer*innen hat die MINT-Arbeitskräftelücke in den letzten Jahren gemildert. Ohne die ausländischen Fachkräfte würden in Deutschland über 600.000 MINT-Arbeitskräfte fehlen.

Handlungsempfehlungen

Die Autoren betonen die Relevanz einer frühzeitigen und effektiven Förderung im Bildungswesen, um mehr junge Menschen für den MINT-Bereich zu begeistern. Auch die digitale Ausstattung in Schulen muss weiter ausgebaut werden. Zudem sollten die Potenziale von Frauen und zugewanderten Menschen noch stärker gehoben werden.

Die Förderung der MINT-Bildung an Schulen und in außerschulischen Einrichtungen steht seit Jahren als wichtiger Bestandteil auf unserer bildungspolitischen Agenda. Mit unseren Modellprojekten leisten wir konkrete Beiträge zur Fachkräftesicherung. Besonders unsere Angebote für Mädchen leisten einen wichtigen Beitrag zur Nachwuchsförderung in den MINT-Berufen.

Über den MINT-Report des IW Köln

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln erstellt den Report zwei Mal im Jahr im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall und der Initiative „MINT Zukunft schaffen“.


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Sarah Schmoll

Integration von Geflüchteten, MINT-Talentförderung, Projekte

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