Wir brauchen ein flexibles Arbeitszeitgesetz

Mit rund 813.000 Arbeitnehmern ist die M+E Industrie ein wichtiger Motor der bayerischen Wirtschaft. Zufriedene Arbeitnehmer und die flexible Verteilung der Arbeitszeit sind zentrale Faktoren für die Wettbewerbsfähigkeit bayerischer M+E Unternehmen. Diese engagieren sich weit überdurchschnittlich für die Vereinbarkeit von beruflichem mit privatem Leben. Dennoch benötigt auch die M+E Industrie mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit, um die Balance zwischen dem betrieblichen Flexibilisierungsbedarf und dem Wunsch der Arbeitnehmer nach mehr Zeitsouveränität herzustellen.

Wettbewerbsfähigkeit und sichere Arbeitsplätze sind eine Teamleistung

Nach Belieben die Arbeit stehen und liegen zu lassen – so kann auch die neue Arbeitswelt nicht funktionieren. Die individuellen Wünsche der Beschäftigten können nur als Teil einer Teamlösung funktionieren. Dazu gehören die betrieblichen Anforderungen ebenso wie die der Arbeitnehmer. Denn die Arbeit muss erledigt werden, wenn sie anfällt. Wenn ein Mitarbeiter ausfällt, muss das von Kollegen im Betrieb sofort ausgeglichen werden können. Unternehmen müssen jederzeit sicherstellen können, Aufträge rechtzeitig zu erfüllen. Nur so bleiben Unternehmen wettbewerbsfähig und Arbeitsplätze werden gesichert.

Ein bisschen selbstbestimmt geht nicht

Wenn wir dem Einzelnen die Freiheit geben, sich nach seinen Wünschen einen Tag frei zu nehmen, dann müssen wir ihm auch die Freiheit geben, an anderen Tagen 12 Stunden zu arbeiten. Das ist mit dem bestehenden Arbeitszeitgesetz nicht möglich. Dazu gehört auch, dass ein Arbeitnehmer abends ein dienstliches Gespräch zu Hause führen können muss, ohne dass ab diesem Zeitpunkt eine neue elfstündige Ruhepause zu laufen beginnt. All dies ist mit dem bestehenden Arbeitszeitgesetz nicht möglich. Deshalb müssen wir diese Regelungen der Realität anpassen.

Echte Flexibilität für M+E Betriebe

Wir brauchen kein starres Arbeitszeitsystem, sondern echte Flexibilität für den einzelnen Betrieb. Neue Arbeitsformen müssen passgenau auf den Einzelfall zugeschnitten werden. So ist zum Beispiel ein Anspruch auf Homeoffice für alle Arbeitnehmer genauso unsinnig wie eine generelle Absage. Es gibt Tätigkeiten in der M+E Industrie, die wie bislang im Werk zu festgelegten Zeiten erledigt werden müssen und auch gar nicht außerhalb des Betriebs erledigt werden können. Ebenso gibt es Arbeitnehmer, die genau dieses wollen. Das neue Arbeitszeitgesetz muss Rahmenbedingungen schaffen, damit ein alternatives Arbeitszeit-system als freiwilliges Angebot die bestehenden Regeln ergänzen kann.

Auch bei wirtschaftlichen Schwankungen muss die betriebliche Arbeitszeit betrieblich angepasst werden können. Das bedeutet, dass Betriebe aufgrund betrieblicher Regelungen kurzfristige Zusatzschichten einberufen oder Schichten absagen können müssen. Eine pauschale tarifliche Vorgabe ist nicht sinnvoll.

Arbeit darf nicht noch teurer werden

Mit mehr als 40 Euro pro Stunde ist Arbeit in Bayern bereits so teuer wie kaum woanders. Schon heute investieren Unternehmen der bayerischen M+E Industrie in den Aufbau von Produktion im Ausland. Hohe Flexibilität ist einer der wichtigsten Ausgleichsfaktoren für die hohen Arbeitskosten. Wird sie nicht geschaffen, geht das zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Standorte der bayerischen M+E Industrie.

Deshalb braucht die M+E Industrie mehr Flexibilität:

  • Sie ermöglicht innovative und zeitgemäße Formen der Produktion und Dienstleistungen. Nur so kann die M+E Industrie die Chancen der Digitalisierung nutzen, wettbewerbsfähig bleiben und Arbeitsplätze sichern
  • Sie ermöglicht die von Unternehmern und Arbeitnehmern gewünschten neuen Arbeitsformen und familienorientierte Arbeitszeiten
  • Sie unterstützt die Zusammenarbeit von Betrieben über Länder- und Zeitzonen hinweg
  • Sie ermöglicht die (zeit-)effiziente Erledigung von Montage- und Servicetätigkeiten
  • Sie ermöglicht passgenaue, betriebsspezifische Regelungen, die die unterschiedlichen Branchen der M+E Industrie benötigen
  • Sie ermöglicht die Gestaltung attraktiver Arbeitsplätze für eine neue Generation von Arbeitnehmern, die sich stärker individuell in ihre Arbeit einbringen wollen

Die Beschränkung der täglichen Höchstarbeitszeit auf 10 Stunden muss entsprechend der EU-rechtlichen Möglichkeit auf eine Wochenbetrachtung mit 48 Stunden verändert werden. Das führt nicht zur Erhöhung des Arbeitszeitvolumens, sondern zu mehr Flexibilität bei der wöchentlichen Verteilung der Arbeitszeit.

Ansprechpartner
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Bertram Brossardt

Hauptgeschäftsführung

+49 (0)89-551 78-106
Bertram Brossardt

Kurzversion Das ganze Interview Bertram Brossardt fordert mehr Flexibilität in der Arbeitszeit

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