Letzte Aktualisierung: 14. Juni 2017

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Argumente zu Unternehmensfragen 06/2017: Frauen in Führungspositionen

In Deutschland besetzen Frauen zwar immer mehr Führungspositionen, doch im Topmanagement sind sie noch vergleichsweise selten vertreten. In den mittelständischen Unternehmen hat sich der Anteil der Chefinnen in den vergangenen Jahren sogar reduziert. Auch in der Politik gibt es mehr männliche als weibliche Entscheidungsträger: Die überwiegende Zahl der Abgeordneten und Minister in der Bundesrepublik sind Männer. Andere Länder wie die Vereinigten Staaten oder Schweden sind da schon deutlich weiter.

Von zehn Top-Führungspositionen sind in den USA fast vier mit Frauen besetzt, in Deutschland dagegen weniger als drei. In beiden Ländern gibt es allerdings große Unterschiede zwischen einzelnen Branchen: Im Gesundheits- und auch im Bildungssektor, in denen traditionell mehr Frauen als Männer arbeiten, sind vielfach auch mehr Chefinnen als Chefs zu finden. Anders in der Industrie – hier schaffen es in den USA lediglich 18 Prozent und in Deutschland sogar nur 14 Prozent Frauen ins Topmanagement.

An weiblichen Vorbildern mangelt es nicht: General Motors wird von einer Frau gesteuert.
Dabei gibt es durchaus Vorbilder: Nicola Leibinger-Kammüller, die erfolgreiche Trumpf-Chefin, oder Simone Bagel-Trah, die Ururenkelin von Firmengründer Fritz Henkel und einzige weibliche Aufsichtsratsvorsitzende eines Dax-Konzerns in Deutschland. In den USA ist mit Mary Barra
vor drei Jahren erstmals eine Frau Chefin eines Automobilkonzerns geworden: Die 55-Jährige ist
Vorstandsvorsitzende von General Motors (GM). Angefangen hatte Barra einmal als Praktikantin bei GM. Aktuell werden in den Vereinigten Staaten laut amerikanischem Statistikamt etwa 28 Prozent aller Unternehmen von einer Frau geleitet. Davon ist Deutschland weit entfernt. In der Bundesrepublik hatten im Jahr 2015 von den rund 3,65 Millionen mittelständischen Unternehmen nach Angaben der KfW Research nur 18 Prozent der Firmen einen weiblichen Boss. Das sind zwar etwas mehr als im Jahr 2002 – damals stand etwa jedem siebten mittelständischen Betrieb eine Frau vor –, doch zwischenzeitlich lag die Chefinnenquote auch schon wiederholt bei knapp 20 Prozent.

In Frankreich und Schweden sind Frauen besonders häufig im Management anzutreffen.
Der aktuelle Gleichstellungsbericht der EU-Kommission weist Frankreich und Schweden als jene beiden Länder aus, in denen die börsennotierten Unternehmen die höchsten Frauenanteile im obersten Management verzeichnen. In Frankreich sind mehr als vier von zehn Vorstands oder
Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzt, in Schweden etwa 37 Prozent. In Deutschland arbeiten im Schnitt zwar mehr Frauen als in vielen anderen EU-Ländern – ihre Erwerbstätigenquote beträgt fast 75 Prozent –, doch Frauen schaffen es vergleichsweise selten an die Spitze: Der Frauenanteil in den obersten Führungspositionen börsennotierter Unternehmen beträgt knapp 30 Prozent – das reicht EU-weit nur für Platz fünf.

25 deutsche Großkonzerne haben sich der Frauenförderung verpflichtet. Als Ende April 2017 in Berlin der Weltfrauengipfel „Women20Summit“ stattfand, haben 25 deutsche Großkonzerne
– darunter auch einige Dax-Unternehmen – ein Kommuniqué unterschrieben, das mehr Frauen
in Führungspositionen bringen soll. Die Unternehmen verpflichten sich darin, Frauen in ihren eigenen Reihen durch Mentoring oder familienfreundliche Arbeitszeiten zu fördern sowie mehr Dienstleistungen und Rohstoffe von Unternehmen zu beziehen, die eine Frau an der Spitze
haben oder von einer Frau gegründet wurden. Die Förderung soll zudem schon möglichst früh einsetzen. Die Firmen vereinbarten, Frauen bereits in der Ausbildung besser zu fördern, vor allem in IT-Berufen.

Schon vor 60 Jahren haben einige europäische Länder die Gleichstellung von Frauen und Männern in den Römischen Verträgen als einen der Grundwerte verankert. Doch bis heute sind auch die politischen Ämter nicht gleichwertig zwischen den Geschlechtern verteilt. Lediglich in Schweden war im Herbst 2016 die Hälfte aller Ministerposten mit Frauen besetzt, von den Abgeordneten stellten sie 45 Prozent. In acht EU Ländern errangen Frauen nicht mal 20 Prozent der Abgeordnetenmandate: in Bulgarien, Griechenland, Kroatien, Lettland, Malta, Rumänien, Ungarn und Zypern. In Griechenland und Ungarn gab es keine einzige Frau in der Regierung. In Deutschland waren Ende 2016 knapp 40 Prozent der Abgeordneten und Minister weiblich – das reicht EU-weit immerhin für einen Platz im oberen Mittelfeld.

Anlässlich des Weltfrauentags im März 2017 hatten neun EU-Kommissarinnen und -Kommissare in einem gemeinsamen Statement auf Europas Rolle bezüglich der Stärkung der Frauenrechte hingewiesen. Sie bekräftigten, dass die Europäische Union Frauen nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt verteidige. Sie verwiesen darauf, dass die EU seit 1957 eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Gleichstellung spiele und seitdem deutliche Fortschritte erzielt worden seien. So gesehen, müsste der nächste EU-Präsident definitiv eine Präsidentin sein.

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