Letzte Aktualisierung: 05. November 2020

Studie

vbw Studie: Gender Pay Gap in Deutschland und Bayern

Die durchschnittliche unbereinigte Entgeltlücke (Gender Pay Gap) wird regelmäßig vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht und ist dann häufig Ausgangspunkt irriger Annahmen bezüglich der Lohndiskriminierung von Frauen. In einer neuen vbw Studie, erstellt vom IW Köln auf Basis der Befragungsdaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), werden diese Ergebnisse grundsätzlich bestätigt: Demnach beträgt die unbereinigte Lohnlücke zwischen Frauen und Männern aktuell (im Jahr 2018) rund 22 Prozent.

Unbereinigte Entgeltlücke hat kaum Aussagekraft

Die Aussagekraft der unbereinigten Entgeltlücke ist allerdings sehr begrenzt. Sie erlaubt keine Aussagen zur Entlohnung bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit, da allein die Durchschnittsverdienste der Geschlechter miteinander verglichen werden und sogenannte lohnrelevante Merkmale wie etwa Arbeitszeit, Erwerbsunterbrechungen oder ausgeübte Berufe und Branchen unberücksichtigt bleiben. Diese Merkmale müssen aber zur "Bereinigung" des pauschalen Vergleichs der Durchschnittsverdienste einbezogen werden.

Lohnrelevante Merkmale von Frauen und Männer unterscheiden sich stark

Frauen arbeiten beispielsweise deutlich häufiger in Teilzeit und weisen daher eine geringere durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche auf. Sie machen weniger Überstunden und ihre durch-schnittliche Wunscharbeitszeit ist geringer als die von Männern – dies gilt auch dann, wenn keine Kinder unter 14 Jahren im Haushalt leben. In Deutschland liegt die durchschnittliche wöchentliche Erwerbsarbeitszeit von Frauen rund neun Stunden niedriger als die von Männern, in Bayern liegt der Unterschied sogar bei zehn Stunden.

Zudem ist die Erwerbserfahrung von Frauen und Männern wesentlich davon abhängig, ob Kinder im Haushalt leben oder lebten. Ein Grund ist, dass Frauen (weiterhin) mehrheitlich Betreuungsaufgaben übernehmen. Die Berufserfahrung von Männern ist im Durchschnitt von langjähriger Vollzeitbeschäftigung geprägt, während Frauen gut 7,5 Jahre weniger Vollzeiterfahrung, aber rund sechs Jahre mehr Berufserfahrung in Teilzeit aufweisen. Hinzu kommen große Unterschiede in der Branchen- und Berufswahl.

Bereinigte Entgeltlücke in Deutschland liegt bei 5,3 Prozent – keine Lohndiskriminierung

Unter Berücksichtigung dieser Merkmale verbleibt eine bereinigte Entgeltlücke in Höhe von rund 5,3 Prozent für Deutschland im Jahr 2018. Da der Prozess der Lohnfindung nur näherungsweise abgebildet und nicht alle lohnrelevanten Merkmale erfasst werden können, ist es unzulässig, die bereinigte Entgeltlücke pauschal als Maß für die Lohndiskriminierung von Frauen zu interpretieren.

Bereinigte Lohnlücke in Bayern niedriger als im Bundesdurchschnitt

Der Datenumfang im SOEP für Bayern reicht nicht aus, um identisch spezifizierte Berechnungen durchzuführen. Über Modellanpassungen, die die Güte der Analyse mindern, ergibt sich für den Freistaat eine bereinigte Entgeltlücke von 7,3 Prozent. Bei identischen Berechnungsmodellen liegt der bundesdeutsche Wert bei 7,7 Prozent. Bayern weist also eine geringere Lohnlücke auf.

Die vbw warnt vor unsachlichen Debatten über die Lohndiskriminierung von Frauen. Anhand der Studienergebnisse zeigt sich, dass unterschiedliche Erwerbsverläufe und Berufswahlentscheidungen den größten Anteil an den Entgeltunterschieden zwischen Frauen und Männern haben. Gleichzeitig erkennt die Bayerische Wirtschaft in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiterhin die zentrale Stellschraube, um Verdienstunterschiede weiter zu reduzieren. Der Unternehmensmonitor ‚Familienfreundlichkeit‘ dokumentiert, dass die Wirtschaft hier seit Jahren mit personalpolitischen und arbeitsorganisatorischen Maßnahmen gegensteuert. Aber auch staatliche Betreuungsangebote müssen ausgebaut werden, um den Lebens- und Karriereentwürfen von Frauen besser entgegenzukommen.


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Dr. Markus Meyer

Arbeitsmarktpolitik, Arbeitslosenversicherung, Grundsicherung, Fachkräftesicherung, Vereinbarkeit Familie und Beruf, gesund me, BGM/BGF

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