Letzte Aktualisierung: 29. Juni 2020

Studie

Sustainable Finance – Effekte auf die Realwirtschaft

Die Europäische Kommission hat mit dem Green Deal die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit in das Zentrum ihrer Arbeit gerückt. Auch die Finanzwirtschaft wird dafür in die Pflicht genommen.

Unter dem Titel „Sustainable Finance“ werden Regelwerke geschaffen, die das Finanzierungsgeschehen in einem ersten Schritt auf klimapolitische Ziele ausrichten; künftig sollen weitere Nachhaltigkeitskriterien folgen. Herzstück der Regulierung ist eine sogenannte Taxonomie, also ein Bewertungsschema, in dem die EU-Kommission technisch detailliert und verbindlich festlegen will, welche Tätigkeiten als nachhaltig gelten dürfen. Die Bedeutung geht weit über die Finanzwirtschaft hinaus, wie die vorliegende Studie belegt.

Geplantes Bewertungsschema für nachhaltiges Wirtschaften führt zu massiven Belastungen für die Realwirtschaft

Nicht nur als „nachhaltig“ beworbene Anlageprodukte werden betroffen sein. Neue Offenlegungspflichten zum Anteil nachhaltiger Aktivitäten treffen Finanzinstitute, aber auch große produzierende Unternehmen. Die Finanzmarktaufsicht fordert von Banken und Versicherungen schon neue Instrumente zum Klimarisikomanagement. Diese Pflichten können die Adressaten der Regulierung nur erfüllen, wenn zwischen Geschäfts- und Finanzierungspartnern in der gesamten Wertschöpfungskette und in großem Umfang bisher nicht erhobene Daten weitergegeben werden. Ausweichen kann dem dann letztlich niemand.

Wertschöpfungsketten müssen erhalten bleiben

Die neu entstehenden Messlatten für Nachhaltigkeit dürften nach bisherigem Stand deutlich zu hoch liegen, die Bürokratiekosten jedes Maß sprengen. Wertschöpfungsketten drohen zu brechen. Besondere Unsicherheiten und Finanzierungshindernisse entstehen für jeden, der nicht in das Bewertungsschema der Regulierung passt. Die Wettbewerbsfähigkeit, vor allem international, würde dramatisch beschädigt werden.

Sustainable Finance darf nicht zur Bremse für Wachstum und Transformationsprozesse werden

So eine Regulierung ist auch in normalen Zeiten abzulehnen – vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie wäre sie aber geradezu absurd. Jeder muss sich jetzt auf seine Kernaufgaben konzentrieren. Nur eine leistungsstarke, wettbewerbsfähige europäische Industrie kann die notwendigen Investitionen in Klima- und Umweltschutz erwirtschaften. Weitere Belastungen für Unternehmen müssen vermieden, Wertschöpfungsketten dürfen nicht zusätzlich gefährdet werden. Klimapolitische Impulse können auf anderen Politikfeldern weitaus effizienter und verträglicher gesetzt werden als in der Finanzmarktregulierung.

Die vom cep – Centrum für Europäische Politik verfasste vbw-Studie zeigt auf, wie sich die Sustainable Finance-Regulierung über verschiedene Wirkungskanäle, wie etwa die nichtfinanzielle Berichterstattung, die Fremdfinanzierung durch Bankkredite, die Finanzierung am Kapitalmarkt und das Versicherungsangebot auf die Realwirtschaft auswirkt.


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