Letzte Aktualisierung: 18. Dezember 2019

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Industrie in Gefahr – Herausforderungen für die Politik

Am 11. Dezember 2019 trafen sich Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, um über die Herausforderungen zu sprechen, mit denen die Industrie konfrontiert ist. Am Anfang stand die Feststellung, dass eine hohe Steuerlast, bürokratische Hürden und ein unflexibles Arbeitsrecht die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigten. Zusätzlich belasteten globale Handelsstreitigkeiten die exportorientierte Wirtschaft.

Green Deal mit Augenmaß gestalten

Der von der EU Kommission jüngst veröffentlichte Green Deal zeige das Verantwortungsbewusstsein Europas, wie Angelika Niebler betonte. Insgesamt komme es darauf an, Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit vereint zu betrachten, um den Wohlstand in Europa nicht zu gefährden.

Professor Oliver Falk erläuterte, dass insbesondere die Automobilindustrie mit dem Wandel hin zur Elektromobilität sowie der zunehmenden Bedeutung der Digitalisierung vor erheblichen Herausforderungen stehe. Die Mehrfachbelastung aus konjunkturellem Einbruch und zunehmender Regulierung mache diesem Industriezweig und seinen Zulieferbetrieben ganz besonders zu schaffen, ergänzte Bertram Brossardt. Der Green Deal müsse hier Maß und Mitte bewahren.

In der Klimapolitik sei ein globaler Blick notwendig, weil Klimaschutz nur gemeinsam erfolgreich bewerkstelligt werden könne, mahnte Dagmar Schuller an.

Regulierung und Datenschutz innovationsfreundlich halten

Die Nutzung von Daten wird zunehmend zum Erfolgsfaktor für Innovationen und datengetriebene Geschäftsmodelle. Bertram Brossardt betonte das Engagement der Wirtschaft für den Datenschutz. Er forderte aber auch gleiche Bedingungen für alle Wettbewerber auf dem europäischen Markt – insbesondere für die außereuropäischen Konkurrenten. Dagmar Schuller erläuterte die restriktiven Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die die Datennutzung und -verarbeitung für Unternehmen sehr erschwert habe. Gerade in den Bereichen Industrie 4.0 und Gesundheit stecke ein hohes Innovationspotenzial, das aber ohne umfassende Datennutzung kaum zu heben sei.

Wettbewerbsrecht überarbeiten

Einig war sich das Podium, dass Europa ein überarbeitetes Wettbewerbsrecht benötigt. Angelika Niebler forderte einen europäischen Blick insbesondere bei kartellrechtlichen Fragen. Das eröffne die Möglichkeit, starke europäische Player zu etablieren, die im globalen Wettbewerb mithalten könnten. Auch über neue Kooperationsformen und Lösungsansätze in der EU müsse nachgedacht werden, wie Bertram Brossardt bemerkte.

Aussichten für das kommende Jahrzehnt

Das Podium war sich einig, dass die Industrie ausreichend Potenziale hat, um auch künftig erfolgreich zu sein. Notwendig seien dabei aber strukturelle Veränderungen auf vielen Feldern, wie z. B. der Aus- und Weiterbildung, der F+E sowie der Stärkung der regionalen Standorte. Eine enge europäische Zusammenarbeit sowohl auf politischer wie auch auf wirtschaftlicher Ebene sei dafür notwendig.

Eines gelte aber besonders: Mehr machen und weniger reden müsse das Credo sein, wie Bertram Brossardt resümierend feststellte.

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