Letzte Aktualisierung: 26. März 2021

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Klimabilanz 2020

Am 16. März 2021 wurde die Klimabilanz 2020 erstmals nach den Vorgaben des Bundes-Klimaschutzgesetzes (KSG) vorgelegt. Die Zahlen sind zunächst ermutigend: Im Jahr 2020 wurden rund 739 Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert, das sind rund 70 Millionen Tonnen (8,7 Prozent) weniger als im Jahr 2019. Damit wurde das 2020-Ziel, die Emissionen um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren, sicher erreicht. Auf die einzelnen Sektoren verteilen sich die Emissionen wie folgt:


Minderung i.V.z. 2019 Emittierte Menge an CO2-Äquivalenten 2020 Erlaubte Jahresemissionsmenge 2020 gemäß KSG
Energie 38 Mt (14,5 %) 221 Mt 280 Mt
Verkehr 19 Mt (11,4 %) 146 Mt 150 Mt
Industrie 9 Mt (4,6 %) 178 Mt 186 Mt
Gebäude 3 Mt (2,8 %) 120 Mt 118 Mt
Landwirtschaft 1,5 Mt (2,2 %) 66 Mt 70 Mt
Abfall 0,3 Mt (3,8 %) 9 Mt 9 Mt
       

Rückgang vor allem im Energiesektor

Laut Schätzung des Umweltbundesamts machen die Effekte der Corona-Pandemie ein Drittel der Emissionsminderung aus. Insbesondere die Minderungen in den Sektoren Verkehr und Industrie sind wesentlich pandemiebedingt. Mit rund 38 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten ist der größte Emissionsrückgang jedoch im Sektor Energie zu verzeichnen. Das entspricht 14,5 Prozent weniger als im Jahr 2019. Mit rund 221 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten lagen die Emissionen deutlich unter der im Bundes-Klimaschutzgesetz erlaubten Jahresemissionsmenge von 280 Millionen Tonnen.

Die deutliche Treibhausgasreduktion im Energiesektor ist auf einen deutlichen Rückgang der Kohleverstromung zurückzuführen. Die Gründe dafür sind hohe CO2-Preise im Europäischen Emissionshandel (EU-ETS), niedrige Gaspreise und der Einsatz von erneuerbaren Energien. Dies zeigt, dass das EU-ETS ein funktionierendes Instrument ist und der Ausbau der erneuerbaren Energien weiter vorangetrieben werden muss.

Zielverfehlung im Gebäudesektor

Der Gebäudebereich konnte 2020 zwar eine Emissionsminderung von gut drei Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten (minus 2,8 Prozent) erzielen, überschreitet damit jedoch seine Jahresemissionsmenge gemäß Klimaschutzgesetz um zwei Millionen Tonnen. Die Zielverfehlung im Gebäudebereich liegt unter anderem an höheren Emissionen der privaten Haushalte, z. B. durch Homeoffice.

Der Expertenrat legt nun innerhalb eines Monats eine Bewertung der Daten vor. Danach haben das Bundesbau- und das Bundeswirtschaftsministerium drei Monate Zeit, ein Sofortprogramm vorzulegen, um den Gebäudesektor wieder auf Zielkurs zu bringen.

Dies zeigt die Absurdität der sektorspezifischen Betrachtung, da der coronabedingte Anstieg der Emissionen im Gebäudebereich von den anderen Sektoren überkompensiert wurde.

vbw Forderungen für energieeffiziente Gebäude

Die Bundesregierung kann zwar nach Vorlage des Sofortprogramms auch in anderen Sektoren oder sektorübergreifend Maßnahmen beschließen (§ 8 Abs. 2 KSG). Da im Gebäudebereich aber ohnehin eine verstärkte Aktivität sinnvoll ist, schlagen wir folgende Maßnahmen für das Sofortprogramm vor:

– höhere Fördersätze, insbesondere für aufwendige Maßnahmen an der Gebäudehülle,

– stärkere Anreize für die energetische Sanierung von gewerblichen Gebäuden, etwa indem steuerliche Hemmnisse abgebaut werden, zum Beispiel durch die Abzugsfähigkeit von Sanierungskosten als sofort abzugsfähiger Erhaltungsaufwand.

Grundsätzlich gilt, dass die Bundesregierung von der Möglichkeit der sektorübergreifenden Betrachtung möglichst großzügig Gebrauch machen sollte, da sektorübergreifende Maßnahmen deutlich effizienter sind. CO2 muss zuerst dort eingespart werden, wo dies am kostengünstigsten möglich ist.


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Dr. Manuel Schölles

Energie, Klima

+49 (0)89-551 78 91-246
Manuel Schölles
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