Letzte Aktualisierung: 14. September 2017

Position

Wettbewerbsfähigkeit der M+E Unternehmen sichern

Wir müssen einen anderen tarifpolitischen Weg einschlagen, sonst kann es zu Beschäftigungsverlusten, Verlagerungen ins Ausland und langfristig zu einer Bedrohung des Mittelstands kommen. Es geht dabei um:

  • die Höhe der Entgeltabschlüsse und die Kostenbelastung für die Unternehmen,
  • flexible Elemente und Öffnungsklauseln sowie
  • qualitative tarifpolitische Themen und deren Ausgestaltung, wie aktuell die Arbeitszeit.

Arbeitskosten und Beschäftigung bedingen sich

Trotz der positiven Beschäftigungsentwicklung in der bayerischen M+E Industrie besteht nur ein vergleichsweise moderates Produktions- und Produktivitätswachstum bei stetigem und deutlichem Anstieg der Arbeitskosten. Eine solche Entwicklung kann auf Dauer nicht gutgehen. Bereits heute ist die Beschäftigungsentwicklung an den Auslandsstandorten weitaus dynamischer als im Inland. Zudem sinkt im Inland der Anteil der Beschäftigten in der Produktion und in produktionsnahen Bereichen.

Internationalisierung schreitet voran

Viele Unternehmen in Bayern haben einen Standort im Ausland, weitere planen entsprechende Gründungen. Die Bedeutung des Industriestandorts Deutschland und Bayern nimmt ab. Während bei der Investitionsentwicklung im Inland schon seit längerem kaum Dynamik zu erkennen ist, gibt es an den Auslandsstandorten einen klar expansiven Kurs.

Der Mittelstand droht verloren zu gehen

Der Mittelstand ist von den letzten Tarifabschlüssen besonders stark betroffen. Die internationale Verteilung der Wertschöpfungsketten ist hier schwieriger als in Großunternehmen - mit der Gefahr, dass neben der Produktion der komplette Betrieb ins Ausland verlagert wird.

Welche Anforderungen sind an die künftige Tarifpolitik zu stellen?

  • Produktivitätsorientierte Entgeltpolitik, orientiert am gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsfortschritt
  • Mehr Flexibilität erforderlich für eine höhere Produktivität
  • Öffnungsklauseln, wie betriebliche Differenzierungsmöglichkeiten bei Entgeltabschlüssen
  • Keine weitere Einschränkung von Flexibilisierungsinstrumenten
  • Ausrichtung auf Mindestbedingungen und kein „Überfrachten" von Tarifverträgen
  • Keine Übertragung gesellschaftspolitischer Aufgaben auf Arbeitgeber

Tarifbindung ist kein Selbstzweck

Wir wollen die Tarifbindung in der bayerischen M+E Industrie stärken, aber Tarifautonomie beinhaltet auch die negative Koalitionsfreiheit. Notwendig sind wettbewerbsfähige Tarifverträge, die die Heterogenität unsere Branche und Regionen als Mindestbedingungen abbilden.

Es ist nicht Aufgabe des Staates, sondern die der Tarifvertragsparteien, die Attraktivität ihrer Tarifverträge zu erhalten und zu stärken. Eine vermeintliche Stärkung der Tarifbindung durch gesetzlichen Zwang oder Begünstigung stellt einen nicht gerechtfertigten Eingriff in die Koalitionsfreiheit dar.

Arbeitszeit ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor

Die heutigen Arbeitszeitregelungen passen nicht mehr in die Gegenwart.

Die Dauer der Arbeitszeit und ihre flexible Verteilung beeinflussen maßgeblich die Innovationsfähigkeit sowie die Investitionsbedingungen. Betriebe stehen heute vor einer Vielzahl von Herausforderungen wie beispielsweise Fachkräftemangel, Digitalisierung und gesteigerten Flexibilitätsbedürfnissen – sowohl von Betrieben als auch von Arbeitnehmern.

Das deutsche Arbeitszeitrecht muss in einem ersten Schritt wenigstens die Spielräume der europäischen Arbeitszeitrichtlinie ausschöpfen, die nur 48 Stunden pro Woche vorschreibt und die Verteilung auf die Tage offen lässt. Ein Verzicht auf die tägliche Höchstgrenze von zehn Stunden führt nicht zu einer Erhöhung des Arbeitszeitvolumens, sondern nur zu mehr Flexibilität bei der wöchentlichen Verteilung.


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