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Andreas Ebersperger

Presse- / Öffentlichkeitsarbeit

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Pressemitteilung | 12.08.2022

Eingetrübte und heterogene Geschäftslage – pessimistische Perspektiven – Gas-Stopp als Damoklesschwert / Ullrich: „Unternehmen sind enorm verunsichert“

Die Lage in der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie ist angespannt, sehr heterogen und von enormer Unsicherheit geprägt. Lieferengpässe und Materialmangel sowie stark gestiegene Preise bei Vorprodukten, Frachtkosten, Rohstoffen und Energie wirken sich negativ auf die Geschäftserwartungen der Unternehmen aus. Dadurch können viele Aufträge nicht abgearbeitet werden. „Die Lage der Unternehmen in Oberbayern und im Oberland ist sehr differenziert und die Verunsicherung groß. Aktuell sinkt die Produktion und der Blick auf die kommenden Monate ist mehrheitlich pessimistisch. Ein möglicher Erdgasstopp und generell die Erdgasknappheit hängen als großes Damoklesschwert über allem. Dazu kommt eine hohe Krankheitsquote durch die stark steigenden Corona-Fallzahlen, die den bestehenden Arbeitskräftemangel noch weiter verschärfen“, erklärte Michael Ullrich, Vorsitzender der Region Oberland der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm zur aktuellen Umfrage unter ihren Mitgliedsunternehmen in der Region.

Das aktuelle Inlandsgeschäft in der Region wird von 56 Prozent als gut bewertet, von fast 9 Prozent als schlecht. Ähnlich sieht es beim Auslandsgeschäft aus. Das bewerten 51 Prozent als gut, 14 Prozent sind unzufrieden. Die Erwartungen für den weiteren Jahresverlauf sind hingegen deutlich gesunken und liegen mittlerweile im negativen Bereich. 9 Prozent erwarten im Inlandsgeschäft eine Verbesserung, 24 Prozent befürchten eine Verschlechterung. Beim Export gehen 17 Prozent von einer Steigerung aus, 25 Prozent rechnen mit einer Eintrübung. Die negativen Erwartungen zeigen die enorme Verunsicherung der Unternehmen. Lediglich der weiterhin hohe Auftragsbestand hat ein stärkeres Absinken verhindert. Sollten aber die Beschaffungspreise weiter stark steigen und russische Gaslieferungen ausbleiben, dann dürfte sich das Bild drastisch ändern“, erklärt Ullrich.

Kernproblem bleibt laut Umfrage der massive Mangel an Rohstoffen, Material und Vorprodukten. Die Produktions- und Investitionspläne im Inland sind nur noch moderat aufwärts gerichtet. Mit einem Anteil von 30 Prozent stehen die Ersatzbeschaffungen an erster Stelle. Nur 24 Prozent entfallen auf Erweiterungsinvestitionen, 21 Prozent auf Innovationen und 8 Prozent auf Rationalisierungen - und das alles ohne Einbeziehung eines Gas-Lieferstopps“, prognostiziert Ullrich und ergänzt: „Unsere Unternehmen brauchen ausreichend Finanzmittel, ansonsten droht die Bewältigung der Transformation zu scheitern.“

Die Ertragslage stellt sich für die Unternehmen der Region als insgesamt gut, aber differenziert dar. Denn 18 Prozent der Unternehmen befürchten für das Jahr 2022 eine kritische Ertragslage: Fast zehn Prozent rechnen mit Verlusten, rund 8 Prozent gehen von einer Nettoumsatzrendite von unter zwei Prozent aus. „Verschlechtern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Jahresverlauf noch weiter, dürften immer mehr Unternehmen auf eine kritische Ertragslage zusteuern“, so Ullrich.

Die Beschäftigungspläne der M+E Unternehmen sollen der Befragung zufolge ansteigen. „Gut jedes zweite Unternehmen plant einen Beschäftigungsaufbau. Im Jahresverlauf wird die Beschäftigung in ganz Oberbayern um rund 3.000 Stellen auf dann rund 250.000 Personen zum Jahresende 2022 zunehmen“, erklärt Ullrich.

Im Hinblick auf die anstehende Tarifrunde in der bayerischen M+E Industrie warnen die Arbeitgeberverbände bayme vbm aber vor falschen Schlüssen für die Lohnforderung. „Die aktuell hohe Inflation dürfen wir nicht durch hohe Tarifabschlüsse zementieren, die den Unternehmen die Luft für Zukunftsinvestitionen nehmen. Dadurch gäbe es nur Verlierer – sowohl bei den Beschäftigten als auch bei den Unternehmen. Fakt ist, dass die Tarifentgelte seit 2018 um über neun Prozent gestiegen sind“, so Ullrich abschließend.

Jürgen Müller, Geschäftsführer der PARI Medical Holding GmbH und Vorstandsmitglied der bayme Region Oberland, sagte: „Die Sicherung der internationalen Lieferketten wird auch in den nächsten Jahren einen hohen Aufwand und finanzielle Mehrbelastungen erfordern. Der Fachkräftemangel in vielen Bereichen wird sich zunehmend kritisch auf Projektverläufe, aber auch auf das operative Geschäft, auswirken.“

Laut Dr. Robert Reining, Director Operations Analytics Germany der Xylem Analytics Germany GmbH in Weilheim, treffen die Umfrageergebnisse im Großen und Ganzen auch für Xylem Analytics Germany zu: „Einem guten Auftragseingang sehen wir uns auf der Produktionsseite täglich wechselnden Herausforderungen gegenüber. Lieferprobleme bei Rohstoffen, Material und Vorprodukten sowie Kapazitätsprobleme durch Covid stellen die Planung vor täglich neue Aufgaben. Zusätzlich belasten die gestiegenen Einkaufspreise das Ergebnis.“

Lutz Lindner, Geschäftsführer der Bauer Maschinen und Technologie GmbH & Co. KG in Weilheim, ergänzte: „Bei der Beschaffungsmarktlage sehen wir einen massiven Mangel an Elektronikbauteilen und Pneumatik. Wir rechnen mit einer Verdoppelung der Energiekosten in 2023. Wir haben Schwierigkeiten, die gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten an unsere Kunden weiter zu geben. Zusätzliche Lohnkostensteigerungen sehen wir kritisch. Wir leiden am Facharbeitermangel und tun uns schwer, Mitarbeiter zu finden.“