Letzte Aktualisierung: 11. Dezember 2017

Pressemitteilung

Erwartungen der mittelfränkischen Wirtschaft an die künftige Bundesregierung / Bergner: „Wieder mehr Wirtschaft wagen“

11.12.2017 - Nürnberg

„Unseren Unternehmen stehen mit der globalen Konkurrenz, der digitalen Transformation und dem Fachkräftemangel gewaltige Herausforderungen gegenüber. Um sie zu meistern, brauchen sie die passenden Rahmenbedingungen. Die künftige Bundesregierung muss nach Jahren ausgedehnter Sozialpolitik die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts stärken und wieder mehr Wirtschaft wagen“, fasste Frank A. Bergner, Vorstandsvorsitzender der bayme vbm Region Südost-Mittelfranken in einem Pressegespräch die Erwartungen der mittelfränkischen Wirtschaft zusammen, zu dem die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. gemeinsam mit den Verbänden der bayerischen Metall- und Elektroindustrie bayme vbm eingeladen hatte.

vbw und bayme vbm setzen darauf, dass der Staat den dringend notwendigen Auf- und Ausbau modernster digitaler Infrastruktur vorantreibt. Dazu gehört maßgeblich der Breitbandausbau. Bergner dazu: „Dank der seit 2013 laufenden Breitbandoffensive des Freistaats verfügen heute zwar knapp drei Viertel der Haushalte in Bayern über schnelles Internet. Allerdings hinkt der ländliche Raum hinterher: In manchen Regionen in Mittelfranken erreichen weniger als 30 Prozent der Haushalte den 50-Mbit-Standard. Die Lücken müssen schleunigst geschlossen werden.“

Die Verkehrsinfrastruktur in der Region ist nach Ansicht der mittelfränkischen Wirtschaft im Großen und Ganzen leistungsfähig – allerdings hakt es an einigen empfindlichen Stellen. „Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen wir die folgenden Projekte schnell verwirklichen: Den vollständigen sechsspurigen Ausbau der A3 zwischen Würzburg und Autobahnkreuz Fürth/Erlangen sowie den Ausbau der A6 und der A73. Im innerstädtischen Bereich Nürnberg ist der kreuzungsfreie Ausbau des Frankenschnellwegs dringend notwendig“, sagt Bergner.

Zwingend erforderlich ist nach Ansicht der Arbeitgeberverbände eine Reform des Arbeitszeitgesetzes. „In der Arbeitswelt 4.0 brauchen wir auch Arbeitszeitregelungen 4.0. Die gesetzlichen Leitplanken müssen sich den veränderten Arbeits- und auch Lebensumständen von heute und morgen anpassen“, betonte Bergner und erklärte: „Es geht nicht um eine Erhöhung des Arbeitszeitvolumens, sondern um die Möglichkeit, diese flexibler zu verteilen – konkret um eine wöchentliche statt tägliche Betrachtung der Höchstarbeitszeit.“

Eine teilweise Absenkung der Arbeitszeit – wie die IG Metall dies in der aktuellen Tarifrunde in der M+E-Industrie fordert – lehnen die Verbände dagegen klar ab. „Die Forderungen der IG Metall sind Gift für unsere Wirtschaft. Eine solche Arbeitszeitverkürzung passt überhaupt nicht in die heutige Arbeitswelt: Insgesamt summiert sich der Anspruch auf Arbeitszeitverkürzung mit dem zugleich geforderten Teillohnausgleich auf mehr als 33.000 Vollzeitarbeitsplätze in Bayern. Das wäre in Zeiten des Fachkräfte-
mangels verheerend“, kommentierte Bergner und erläuterte: „In der M+E-Industrie in Mittelfranken kommen auf jede offene Stelle nur 0,9 Arbeitslose. Im Klartext: Die fehlenden Fachkräfte werden nicht ersetzbar sein.“

Sonja Marthold, Geschäftsführende Gesellschafterin, Sill Optics GmbH & Co. KG, sagte: „Die Fähigkeit, schnell und sehr individuell auf die Forderungen unserer Kunden einzugehen, ist unser größtes Kapital. Nur so sind wir auf dem Markt gewachsen und nur damit können wir dauerhaft sichere Arbeitsplätze garantieren. Mit der von der IG Metall geforderten Arbeitszeitreduzierung wäre dies nicht mehr machbar, denn schnelle Reaktionen sind so nahezu ausgeschlossen. Zudem ist es schlicht unmöglich, die nach einer Stundenreduzierung freigewordenen Stellen dann mit einer 1/5-Kraft zu besetzen – und unserer Erfahrung nach auch von nahezu keinem (Fach-)Arbeiter gewünscht. So kann die deutsche Industrie nicht konkurrenzfähig bleiben. Eine künftige Bundesregierung hat dafür Sorge zu tragen, dass Arbeit in Deutschland in Bezug auf Kosten und Verfügbarkeit der Fachkräfte für den Arbeitgeber planbar, flexibel und im internationalen Vergleich nicht zuletzt auch bezahlbar bleibt.“

Kilian Knorr-Held, Geschäftsführer, Electrolux Rothenburg GmbH, betonte: „Unsere Kunden fordern heute zeitnahe Verfügbarkeit einer großen Anzahl verschiedener Produkte. Dies bedingt eine bestandsarme, flexible Lieferkette. Die Organisation einer entsprechenden Serienproduktion ist mit unterschiedlichen individuellen Arbeitszeitreduzierungen praktisch nicht möglich. Die von der IG Metall geforderten neuen Arbeitszeitmodelle enthalten ausschließlich Ansätze zur Reduzierung der Arbeitszeit, korrelierende Modelle zur Erhöhung von Arbeitszeiten sind nicht vorgesehen. Der bereits heute bestehende Fachkräftemangel, speziell in der Produktentwicklung und im Engineering, würde sich darüber hinaus durch die von der IG Metall geforderten Arbeitszeitverkürzungen deutlich verschärfen.“

„Wohlstand entsteht und besteht nur durch Wirtschaftskraft. Damit unser Land auch in zehn Jahren erfolgreich ist, müssen jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Wir brauchen daher so schnell wie möglich eine dauerhaft stabile und handlungsstarke Regierung. Sie muss die Weichen rasch auf Wachstum und Zukunftsfähigkeit stellen“, so Bergner.


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