Letzte Aktualisierung: 24. Juli 2018

Pressemitteilung

Lage sehr gut, konjunktureller Zenit überschritten / Brossardt: „Erwartungen eingetrübt, Risikofaktoren zahlreich“

24.07.2018 - München

Die Konjunktur in der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie zeigt sich in sehr guter Verfassung. Das ist das Ergebnis der aktuellen Umfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm unter ihren Mitgliedsunternehmen, die heute in München vorgestellt wurde. „Die aktuelle Lageeinschätz-
ung
steht auf einem Rekordhoch. Die Geschäftserwartungen für das kommende Halbjahr sind hingegen eingetrübt. Zahlreiche Risikofaktoren belasten die Aussichten unserer Unternehmen: Protektionismus, Fachkräftemangel und Materialknappheit werden zu echten Wachstumsbremsen“, erläuterte bayme vbm Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Sowohl im Inland als auch im Ausland beurteilen die Firmen die Geschäftslage so gut wie noch nie seit Beginn der Umfrage im Jahr 2000. Das Inlandsgeschäft bewerten sie per Saldo mit +75 Prozentpunkten, das Auslandsgeschäft per Saldo mit +76 Prozentpunkten. Die Erwartungen haben sich hingegen eingetrübt und liegen per Saldo im negativen Bereich: für das Inlandsgeschäft bei -2 Prozentpunkten und für den Export bei -9 Prozentpunkten. Zwischen den Branchen ergibt sich ein differenziertes Bild: Während der Großteil der Elektronik- und IT-Unternehmen mit Optimismus auf die kommenden Monate blickt, zeigen sich insbesondere die Automobil- und Zulieferbetriebe skeptisch.

Dazu passt, dass die inländischen Produktionspläne der Unternehmen an Dynamik einbüßen. Der entspre-
chende Saldo hat sich im Vergleich zum letzten Winter auf +16 Prozentpunkte mehr als halbiert. Gleiches gilt für die Investitionspläne, deren Saldo sich auf +15 Prozentpunkte halbierte. „Wir erwarten für 2018 im Inland lediglich einen Produktionsanstieg von einem Prozent und eine geringe Investitionsdynamik. Im Ausland sieht das anders aus: Der Saldo der Investitionspläne beträgt dort +40 Prozentpunkte. Das Wachs-
tum findet dort statt“, so Brossardt.

Die bayerische M+E Industrie beschäftigt aktuell über 860.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so viele wie noch nie. In den ersten fünf Monaten wurden 9.000 Arbeitsplätze neu geschaffen. Bis zum Jahresende 2018 erwarten wir einen Zuwachs von insgesamt 20.000 Stellen. Und die Unternehmen wollen weiter Arbeitsplätze aufbauen. Rund jedes zweite plant im zweiten Halbjahr zusätzliche Fachkräfte einzustellen. Gleichzeitig warnen die M+E Arbeitgeber vor dem wachsenden Arbeitskräftemangel. Bereits drei Viertel der Betriebe werden durch Fachkräfteengpässe in ihrer Produktions- und Geschäftstätigkeit beeinträchtigt, jeder vierte sogar erheblich. Gesucht werden vor allem Ingenieure, Informatiker und IT-Facharbeiter. „Der Fachkräftemangel bremst unser Wachstum“, erklärte Brossardt und fügte hinzu: „Jedes zweite Unterneh-
men hat bereits Produktionsverzögerungen. Rund 30 Prozent unserer Unternehmen müssen Aufträge ablehnen. Das sind besorgniserregende Ergebnisse.“

Laut bayme vbm ist der Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Unternehmen wichtig für die Zukunft des Freistaats. Das internationaleUmfeld bereitet aber Sorgen. So sehen 90 Prozent der Unternehmen im Protektionismus die größte Beeinträchtigung für ihre Geschäftstätigkeit. „Ein Handelskrieg durch Zölle und weitere Beschränkungen wäre Gift für unsere Industrie. Wir bekennen uns daher klar zum Freihandel. Dieser bringt Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand – und zwar für alle“, betonte Brossardt.

Ergebnisse der bayme vbm Konjunkturumfrage Sommer 2018:

  gut befriedigend Schlecht Saldo
Aktuelle Lage Inland +75,4% (75,8%) +24,1% (22,5%)
+0,5% (1,7%)
+74,9% (+74,1%)
Aktuelle Lage Ausland +78,6% (74,7%)
+19,2% (23,0%) +2,2% (2,3%)
+76,4% (+72,4%)

  besser gleichbleibend schlechter Saldo
Erwartungen Inland +6,2% (31,8%)
+85,5% (66,6%) 7,9 % (1,6%) -1,7% (+30,2%)
Erwartungen Ausland +8,2% (31,4%) +74,7% (67,0%)
17,1% (1,6%)
-8,9% (+29,8%)

  höher unverändert niedriger Saldo
Produktionspläne (Inland)
+31,2% (45,2%) +53,3% (52,6%)
+15,5% (2,2%)
+15,7% (+43,0%)
Produktionspläne (Ausland)
+44,8% (58,8%)
+39,3% (39,9%) +15,8% (1,3%)
+29,0% (+57,5%)
Investitionspläne (Inland)
+17,5% (45,2%)
+80,1% (68,8%)
+2,4% (0,7%) +15,1% (+29,8%)
Investitionspläne (Ausland) +40,1% (50,7%)
+59,7% (49,1%)
+0,2% (0,2%)
+39,9% (+50,5%)
Beschäftigungspläne (Inland)
+47,9% (47,5%)
+45,6% (48,9 %) +6,5% (3,6%)
+41,4% (+43,9%)
Beschäftigungspläne (Ausland)
+52,7% (46,6%)
+41,4% (51,6 %) +7,8% (1,8%) +44,9% (+44,8%)

In Klammern: Werte der letzten Umfrage (Winter 2017)


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