Letzte Aktualisierung: 09. März 2022

Pressemitteilung

vbm bekennt sich klar zur Tarifbindung / Brossardt: „Für 78 Prozent der Beschäftigten in Bayern gilt direkt oder indirekt der Tarif“

08.03.2022 - München

Der vbm – Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V. bekennt sich klar zur Tarifbindung. „Der Abschluss von Tarifverträgen ist die Kernaufgabe der Tarifverbände. Allerdings nicht als Selbstzweck, sondern mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsunternehmen zu erhalten und zu stärken“, erklärt vbm Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt auf der Online-Veranstaltung Fokus Tarif „Tarifbindung – Quo Vadis?“. Der Abschluss von interessengerechten und differenzierten Tarifverträgen ist dabei zwingend erforderlich. Nur so können die Tarifvertragsparteien dafür sorgen, dass im Freistaat Arbeitsplätze in der M+E-Industrie erhalten und hinzugewonnen werden.

In der Metall- und Elektro-Industrie enthalten die Flächentarifverträge nach wie vor die Leitbedingungen. Sie erfassen bis heute einen großen Teil der Unternehmen und ihrer Mitarbeitenden. Der vbm sieht eine staatliche Einmischung in die Belange der Tarifvertragsparteien und in die Tarifbindung als unzulässigen Eingriff in die Tarifautonomie. „Unternehmen dürfen nicht in Tarifverträge gezwungen werden. Die negative Koalitionsfreiheit, also die Möglichkeit sich bestehenden Koalitionen nicht anzuschließen, bestehende Tarifverträge nicht anzuwenden oder einem Tarifträgerverband nicht mehr anzugehören, muss bestehen bleiben“, fordert Brossardt. Aktuell gelten für 78 Prozent der Beschäftigten in Bayern direkt oder indirekt tarifvertraglich geregelte Arbeitsbedingungen. Das hat eine Auswertung der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. von Daten des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie INIFES und des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) ergeben.

Kritisch sieht der vbm die Vorhaben der Ampel, öffentliche Aufträge nur an tarifgebundene Unternehmen zu vergeben. „Das sogenannte Tariftreuegesetz lehnen wir kategorisch ab. Es ist nicht Aufgabe des Staates, Unternehmen aus dem Wettbewerb auszuschließen, die in legitimer Weise von einem Grundrecht Gebrauch gemacht haben. Darüber hinaus verteuert es öffentliche Aufträge und erhöht den bürokratischen Aufwand in der Vergabepraxis durch zusätzliche Prüfungs- und Kontrollvorschriften. Das ist insbesondere für kleinere Unternehmen nicht leistbar“, erklärt Brossardt.

Der vbm Hauptgeschäftsführer wirbt für eine Steigerung der Attraktivität des Flächentarifvertrags durch moderne Öffnungs- und Differenzierungsregelungen. Sie ermöglichen passgenaue Adaptionen an die unterschiedlichen betrieblichen Anforderungen. Trotz struktureller Veränderungen wie der Globalisierung oder der Digitalisierung hat der Flächentarifvertrag nach wie vor eine große Ausstrahlungswirkung. Aufgabe ist es, dass er sich auch in Zukunft bewährt. Eine Erhöhung der Tarifbindung gelingt nur mit Modernisierung und zukunftsgerichteten Konzepten, nicht hingegen mit Zwang und staatlichen Vorgaben“, so Brossardt.


Drucken
Kontakt
Kontakt

Tobias Rademacher

Presse- / Öffentlichkeitsarbeit

Tobias Rademacher
Nach oben