Letzte Aktualisierung: 29. Juli 2020

Pressemitteilung

Sommer-Konjunkturumfrage in der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie in Oberfranken / M+E Industrie in tiefer Rezession – starker Beschäftigungsrückgang befürchtet – leichte Erholung im 2. Halbjahr erhofft

29.07.2020 - Coburg

Die oberfränkische Metall- und Elektro-Industrie befindet sich in tiefer Rezession. Das ist das Ergebnis der aktuellen Umfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm unter ihren Mitgliedsunternehmen, die heute in Coburg vorgestellt wurde. „Zwar hoffen wir ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau auf eine leichte Erholung im zweiten Halbjahr. Das Jahr 2020 ist für die Metall- und Elektro-Industrie in Oberfranken jedoch ein verlorenes Jahr. Unsere Unternehmen bewerten die aktuelle Lage so schlecht wie noch nie in unserer seit 20 Jahren durchgeführten Umfrage. Wir gehen auch nicht davon aus, dass der Beschäftigungsrückgang im kommenden Jahr zu Ende sein wird. Dank des Instruments der Kurzarbeit, unternehmenseigenen Maßnahmen sowie anderen staatlichen Unterstützungsprogrammen wurden bis jetzt nicht noch mehr Stellen abgebaut. Die Beschäftigungspläne der Unternehmen verdeutlichen den Ernst der Lage. Diese sind im Inland im negativen Bereich. Ein Drittel der Betriebe rechnet mit einem weiteren Stellenabbau in Oberfranken“, sagt der Vorsitzende der bayme vbm Region Oberfranken-West, Thomas Kaeser.

Bei den Produktionsplänen wird laut Kaeser das zweite Halbjahr nicht ausreichen, um den Einbruch in der ersten Jahreshälfte auszugleichen. „Wir erwarten nur eine leichte Erholung im zweiten Halbjahr 2020. Das Niveau vor der Corona-Krise werden wir bestenfalls im Laufe des Jahres 2022 wieder erreichen. Wir haben einen sehr langen Aufholprozess vor uns.“

Die Firmen beurteilen die Geschäftslage nochmals deutlich negativer als bei der Winter-Umfrage vor Corona, die bereits schlechter ausgefallen war. „Die Corona-Krise wirkt wie ein Brandbeschleuniger, der jegliche protektionistische Tendenzen oder planerische Unsicherheiten durch die Brexit-Diskussion in den Schatten stellt. Folglich bezeichnen 77 Prozent der Betriebe das aktuelle Inlandsgeschäft als negativ. Vor einem halben Jahr waren es 60,5 Prozent. Für die Automobil- und Zulieferbranche kommt erschwerend ein grundsätzlicher Transformationsprozess hinzu, so dass praktisch alle Betriebe in diesem Sektor die Lage als schlecht einschätzen“, sagt Kaeser. Auch das Auslandsgeschäft verspricht keine Besserung: Dieses wird von fast 82 Prozent der Unternehmen als negativ bewertet, im Dezember 2019 lag der Wert noch bei 17,6 Prozent.

Auch die Ertragslage der Unternehmen hat sich gegenüber der Umfrage im Winter klar verschlechtert. Rund 58 Prozent der Unternehmen befürchten für das Jahr 2020 eine sehr kritische Ertragslage: 37,5 Prozent rechnen mit Verlusten, weitere 20,8 Prozent erwarten eine schwarze Null.

„Aktuell sehen wir Anzeichen einer ersten Bodenbildung. Die bayerische und deutsche Politik hat die Unternehmen schnell, pragmatisch und zielgerichtet unterstützt. Doch für die mittel- und langfristige Krisenbewältigung sind umfassende Unterstützungsmaßnahmen, wie eine Verlängerung der Kurzarbeiterregelung bis zum Ende des nächsten Jahres, ein verstärkter Bürokratieabbau sowie ein Verzicht auf neue Belastungen wie beispielsweise das Sorgfaltspflichtengesetz, zwingend notwendig. Vom Tarifpartner erwarten wir eine verantwortungsvolle Berücksichtigung dieser konjunkturellen Situation im Hinblick auf das Auslaufen des Tarifvertrages Ende 2020“, kommentiert Kaeser.


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