Letzte Aktualisierung: 14. Januar 2021

Pressemitteilung

Pressemitteilung zur Winter-Konjunkturumfrage in der mittelfränkischen Metall- und Elektro-Industrie / Beschäftigungsrückgang setzt sich fort – Erholungsprozess wird lange dauern

14.01.2021 - Nürnberg

Die mittelfränkische Metall- und Elektro-Industrie kommt nicht aus der Rezession. Ungewiss sind zudem die Länge und die daraus resultierenden Auswirkungen des Lockdowns auf die konjunkturelle Erholung. Das ist das Ergebnis der aktuellen Umfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm unter ihren Mitgliedsunternehmen, die heute in Nürnberg vorgestellt wurde. „2020 müssen wir als ein Jahr, das an die Corona-Pandemie verloren gegangen ist, abschreiben. So hat sich zwar die aktuelle Geschäftslage gegenüber dem Sommer etwas verbessert, der Saldo bleibt aber im negativen Bereich. Die Erwartungen für 2021 sind per Saldo positiv, mehr als die Hälfte der Unternehmen rechnet aber mit einer unverändert angespannten Lage. Damit ist klar, dass auch dieses Jahr wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser für die Unternehmen bringt und wir von einem Nachkrisenaufschwung noch weit entfernt sind“, erläutert Susanne Gerhart-Deissenberger, Vorstandsmitglied der bayme vbm Region Nürnberg-Fürth-Erlangen.

Besorgniserregend sind die weiter im negativen Bereich liegenden inländischen Beschäftigungspläne der mittelfränkischen Unternehmen, verdeutlichen diese doch die ernste Lage. „Mehr als jedes dritte Unternehmen rechnet im Inland mit einem weiter voranschreitenden Arbeitsplatzabbau. Seit dem Frühjahr 2020 gingen monatlich mehr als 415 Arbeitsplätze verloren. Wir müssen jetzt umsteuern und unseren Standort fit für den internationalen Wettbewerb machen. Daher fordern wir im Hinblick auf die kommende Tarifrunde den Tarifpartner auf, realistisch zu sein und die Arbeitskosten in Deutschland in den Griff zu bekommen. Es gibt nichts zu verteilen“, so Gerhart-Deissenberger.

Allein 2020 sind 5.000 Arbeitsplätze in der mittelfränkischen M+E Industrie verloren gegangen. Die Gesamtbeschäftigung in der mittelfränkischen M+E Industrie liegt derzeit bei rund 125.000. Es werden 2021 voraussichtlich noch weitere 3.000 Stellen verloren gehen. „Kurzarbeit, unternehmenseigene Maßnahmen, die Aussetzung der Insolvenzanmeldepflicht und staatliche Unterstützungshilfen haben einen noch schnelleren Stellenabbau verhindert“, sagt Gerhart-Deissenberger.

Bis Ende 2021 werden rund 46 Prozent der mittelfränkischen Unternehmen das Vorkrisenniveau erreicht haben. „54 Prozent erwartet dies aber erst im Jahr 2022 oder später, viele können es noch gar nicht abschätzen. Das steht aber unter dem Vorbehalt, dass ab Frühjahr keine weiteren massiven Einschränkungen durch das Infektionsgeschehen nötig sein werden und sich auch im Ausland die Lage deutlich verbessert. Das gilt auch für internationale Handelskonflikte“, betont Gerhart-Deissenberger.

Die Ertragslage der Unternehmen zeigt sich in Mittelfranken sehr heterogen. Mehr als jedes zweite Unternehmen befürchtet für das Jahr 2020 eine kritische Ertragslage: 37 Prozent rechnen mit Verlusten, fünf Prozent erwarten eine schwarze Null und 10,5 Prozent gehen von einer Nettoumsatzrendite von unter zwei Prozent aus. „Die Ergebnisse werden positiv durch die Kurzarbeit beeinflusst. Reduziert diese doch die Kosten. Der Effekt ist aber nicht von Dauer“, klärt Gerhart-Deissenberger auf. Weiterhin ist mehr als jeder zweite Beschäftigte in der mittelfränkischen M+E Industrie von Kurzarbeit betroffen.

„Die Lage ist besser als noch im Sommer. Über den Berg sind wir aber noch lange nicht. Neben den Beeinträchtigungen durch die Corona-Pandemie müssen die Unternehmen auch politisch bedingt den Strukturwandel schneller vorantreiben. Dafür brauchen sie alle verfügbare Liquidität. Für die anstehenden Tarifverhandlungen heißt das, dass es keinen Verteilungsspielraum gibt und dass Tarifverträge flexible und individuelle Lösungen für alle Unternehmen bereithalten“, so Gerhart-Deissenberger.


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