Letzte Aktualisierung: 04. August 2020

Pressemitteilung

Sommer-Konjunkturumfrage in der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie in Niederbayern / M+E Industrie in tiefer Rezession – starker Beschäftigungsrückgang befürchtet – leichte Erholung im 2. Halbjahr erhofft

04.08.2020 - Passau

Die niederbayerische Metall- und Elektro-Industrie befindet sich in tiefer Rezession. Das ist das Ergebnis der aktuellen Umfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm unter ihren Mitgliedsunternehmen, die heute in Passau vorgestellt wurde. „Zwar hoffen wir ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau auf eine leichte Erholung im zweiten Halbjahr. Das Jahr 2020 ist für die Metall- und Elektro-Industrie in Niederbayern jedoch ein verlorenes Jahr. Unsere Unternehmen bewerten die aktuelle Lage ähnlich schlecht wie während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009. Wir gehen auch nicht davon aus, dass der Beschäftigungsrückgang im kommenden Jahr zu Ende sein wird. Dank des Instruments der Kurzarbeit, unternehmenseigenen Maßnahmen sowie anderen staatlichen Unterstützungsprogrammen wurden bis jetzt nicht noch mehr Stellen abgebaut. Die Beschäftigungspläne der Unternehmen verdeutlichen den Ernst der Lage. Diese sind sowohl an den Inlands- als auch an den Auslandsstandorten im negativen Bereich. Fast 70 Prozent der Betriebe rechnen mit einem weiteren Stellenabbau in Niederbayern“, sagt der Regionalvorstand der bayme vbm Region Niederbayern, Bernhard Wimmer.

Bei den Produktionsplänen wird laut Wimmer das zweite Halbjahr nicht ausreichen, um den Einbruch in der ersten Jahreshälfte auszugleichen. „Wir erwarten nur eine leichte Erholung im zweiten Halbjahr 2020. Das Niveau vor der Corona-Krise werden wir bestenfalls im Laufe des Jahres 2022 wieder erreichen. Wir haben einen sehr langen Aufholprozess vor uns.“

Die Firmen beurteilen die Geschäftslage deutlich negativer als bei der Winter-Umfrage vor Corona, die bereits schlechter ausgefallen war. „Die Corona-Krise wirkt wie ein Brandbeschleuniger, der jegliche protektionistische Tendenzen oder planerische Unsicherheiten durch die Brexit-Diskussion in den Schatten stellt. Folglich bezeichnen rund 65 Prozent der Betriebe das aktuelle Inlandsgeschäft als negativ. Vor einem halben Jahr waren es acht Prozent. Für die Automobil- und Zulieferbranche kommt erschwerend ein grundsätzlicher Transformationsprozess hinzu, so dass praktisch alle Betriebe in diesem Sektor die Lage als schlecht einschätzen“, sagt Wimmer. Auch das Auslandsgeschäft verspricht keine Besserung: Dieses wird von 88 Prozent der Unternehmen als negativ bewertet, im Dezember 2019 lag der Wert noch bei 9,1 Prozent.

Auch die Ertragslage der Unternehmen hat sich gegenüber der Umfrage im Winter klar verschlechtert. Gut 55 Prozent der Unternehmen befürchten für das Jahr 2020 eine sehr kritische Ertragslage: 44,4 Prozent rechnen mit Verlusten, jeweils 5,6 Prozent erwarten eine schwarze Null bzw. gehen von einer Nettoumsatzrendite von unter zwei Prozent aus.

„Aktuell sehen wir Anzeichen einer ersten Bodenbildung. Die bayerische und deutsche Politik hat die Unternehmen schnell, pragmatisch und zielgerichtet unterstützt. Doch für die mittel- und langfristige Krisenbewältigung sind umfassende Unterstützungsmaßnahmen, wie eine Verlängerung der Kurzarbeiterregelung bis zum Ende des nächsten Jahres, ein verstärkter Bürokratieabbau sowie ein Verzicht auf neue Belastungen wie beispielsweise das Sorgfaltspflichtengesetz, zwingend notwendig. Vom Tarifpartner erwarten wir eine verantwortungsvolle Berücksichtigung dieser konjunkturellen Situation im Hinblick auf das Auslaufen des Tarifvertrages Ende 2020“, kommentiert Wimmer.


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