Letzte Aktualisierung: 10. Januar 2022

Studie

Die bayerische Wirtschaft ein Jahr nach dem Brexit

Die bayerische Wirtschaft ein Jahr nach dem Brexit

Die im Auftrag der vbw von der Prognos AG erstellte Studie analysiert nach einem Jahr die Auswirkungen des Brexit auf die Wirtschaftsbeziehungen Bayerns mit dem Vereinigten Königreich. Im Fokus stehen die neu entstandenen Hemmnisse beim Warenhandel und Marktzugang, Dienstleistungshandel sowie bei der Mobilität von Arbeitskräften.

Brexit-bedingte Handelshemmnisse

Mit dem Handels- und Kooperationsabkommen sind die schlimmsten Folgen des britischen EU-Austritts vermieden worden. Zölle und Kontingente schränken den präferenziellen Handel nicht ein. Dennoch gibt es erhebliche negative Auswirkungen.

Die bayerische Einfuhr aus dem Vereinigten Königreich lag zwischen Januar und September 2021 um 19 Prozent unter dem Vorjahreswert. Auch die Ausfuhr ging um drei Prozent zurück. Dagegen verzeichneten die bayerischen Einfuhren und Ausfuhren mit den restlichen internationalen Handelspartnern einen Zuwachs in Höhe von 18 Prozent beziehungsweise 15 Prozent. Damit hat sich der bayerisch-britische Handel in den ersten drei Quartalen des Jahres 2021 deutlich schlechter entwickelt als der gesamte bayerische Außenhandel.

Die Zahlen zeigen, dass der bilaterale wirtschaftliche Austausch trotz Freihandelsabkommen schwieriger geworden ist und die neu entstandenen Handelshemmnisse nicht nur vorübergehend sind.

Von einem störungsfreien Handel kann daher nicht die Rede sein. Der Warenaustausch wird besonders durch die Erbringung von Ursprungsnachweisen und die fehlende Anerkennung von Produktvorschriften und Konformitätsbewertungen belastet. Diese nichttarifären Handelshemmnisse stellen vor allem für kleine und mittlere Unternehmen einen hohen Bürokratieaufwand dar. Auch der Dienstleistungshandel ist durch zahlreiche und komplizierte Sondervorschriften erschwert. Für die Arbeitskräftemobilität brachte der Brexit erhebliche Hürden. Beispielsweise werden Berufsqualifikationen nicht mehr automatisch gegenseitig anerkannt.

Handels- und Kooperationsabkommen muss als Startpunkt verstanden werden

Angesichts der im Vergleich zu vor dem Brexit negativen Entwicklung des bayerischen Handels mit dem Vereinigten Königreich fordert die vbw, dass das Handels- und Kooperationsabkommen als Grundlage und Startpunkt für die Fortentwicklung der britisch-europäischen Partnerschaft verstanden wird. Wir brauchen

  • die gegenseitige Anerkennung von Produktvorschriften und Konformitätsbewertungen,
  • Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen beim Nachweis der Ursprungsregeln,
  • einfache und transparente Dienstleistungsregelungen aus einem Guss und
  • eine unkomplizierte Anerkennung von Berufsqualifikationen.

Es liegt im Interesse beider Seiten, die vorhandenen Spielräume und Möglichkeiten des Handels- und Kooperationsabkommens auszuschöpfen.


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Tatjana Vargas

Außenwirtschaft

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