Letzte Aktualisierung: 06. August 2020

Information

Inkrafttreten des Freihandelsabkommens zwischen der EU und Vietnam

Nachdem die Ratifizierung des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und der Sozialistischen Republik Vietnam am 08. Juni 2020 abgeschlossen wurde, tritt das Abkommen am 01. August 2020 in Kraft. Ziel des Abkommens ist die Liberalisierung des Handels und der Investitionen zwischen den Vertragsparteien. Mit dem Abbau von Zollschranken sollen die europäisch-vietnamesischen Wirtschaftsbeziehungen intensiviert werden. Vor allem Zölle auf europäische Ausfuhren aus den Bereichen Automobil, Maschinen und Anlagen, Chemikalien sowie Pharma sollen entweder zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Abkommens oder schrittweise gemäß eines Stufenplans vollständig beseitigt werden.

Zollsenkungen für ausgewählte europäische Ausfuhrgüter

Produktgruppe Aktueller Zollsatz Geplanter Zollsatz
Autos 78 Prozent Vollständige Zollfreiheit 10 Jahre nach Inkrafttreten (01.08.2030)
Kfz-Teile 32 Prozent Vollständige Zollfreiheit 7 Jahre nach Inkrafttreten (01.08.2027)
Maschinen und Anlagen 0 - 30 Prozent Zollfreiheit für einen Großteil aller Maschinen und Anlagen ab dem 01.08.2020; ansonsten schrittweise Zollsenkung, vollständige Zollfreiheit 7 Jahre nach Inkrafttreten (01.08.2027)
Chemikalien 0 - 20 Prozent Circa 70 Prozent zollfrei ab dem 01.08.2020, für Rest Zollfreiheit nach 3, 5 oder 7 Jahren je nach Produkt
Pharmazeutika 48 - 50 Prozent Zollfreiheit für ca. die Hälfte aller Pharmazeutika ab 01.08.2020, für den Rest vollständige Zollfreiheit 7 Jahre nach Inkrafttreten (01.08.2027)

Vietnam liberalisiert sein öffentliches Beschaffungswesen

Ein weiterer Vorteil des Freihandelsabkommens ist der bessere Zugang europäischer Unternehmen zu öffentlichen Ausschreibungen in Vietnam. Ab Inkrafttreten des Abkommens können europäische Unternehmen gleichberechtigt mitbieten, solange ein bestimmter festgelegter Ausschreibungswert überschreitet ist. Da Vietnam eines der Länder mit dem weltweit höchsten Anteil von öffentlichen Investitionen zum BIP ist (ca. 39 Prozent), ist die Liberalisierung des öffentlichen Beschaffungswesens ein wichtiger Aspekt des Abkommens. Gerade in den Bereichen Medizintechnik, Pharma und Infrastruktur sollte die Öffnung attraktive Beteiligungen ermöglichen.

Vietnam verpflichtet sich, internationale Arbeits- und Umweltstandards einzuhalten

Das Handelsabkommen enthält ein umfassendes und verbindliches Kapitel zu Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards. Damit hat sich Vietnam verpflichtet, alle ratifizierten Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organization, ILO) umzusetzen. Zum Beispiel ist Vietnam nun an die Verpflichtung gebunden, unabhängige Gewerkschaften zuzulassen. In Bezug auf Klima- und Umweltschutz ist Vietnam in der Pflicht, alle ratifizierten sogenannten Multilateral Environmental Agreements zu implementieren.

Präferenzielle Behandlung

Ursprungsregeln sind in dem Protokoll Nr. 1 des Abkommens festgelegt. Laut Mitteilung der Europäischen Union wird als Nachweis für die Ursprungseigenschaft bei der Ausfuhr nach Vietnam einzig eine Erklärung zum Ursprung eines im REX-System registrierten Ausführers anerkannt (oder jedes Ausführers für Sendungen mit einem Gesamtwert von bis zu 6.000 Euro). Die deutsche Sprachfassung dieser Mitteilung enthält einen Übersetzungsfehler. Bitte beachten Sie hierzu die Erläuterungen der deutschen Zollbehörde .


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Janina Steinle

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