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Autor*in des Beitrags

Enno Schad

Geschäftsführer Tarif / Kollektive Arbeitsbedingungen / Arbeitswissenschaft

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Tarif | Information | 08.07.2022

Positionierung der IG Metall in der aktuellen Tarifrunde 2022

In unserer Online-Veranstaltung diskutierten vbm Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt und der Direktor des ZAAR Zentrum für Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht, Prof. Dr. Richard Giesen, über die aktuellen Ereignisse in der Tarifrunde 2022. Zentrale Themen waren dabei die Forderung der IG Metall, die Rechtmäßigkeit von Gewerkschaftsboni und die tarifpolitische und rechtliche Bewertung von Arbeitskampfmaßnahmen.

Bertram Brossardt stellte schon eingangs klar: „Oberstes Gebot ist die Stabilisierung und Sicherung von Unternehmen und Arbeitsplätzen.“

Forderung von 8 Prozent deutlich überzogen

Die Forderung von 8 Prozent lässt den Bezug zu den absehbaren wirtschaftlichen Realitäten des Jahres 2022 und 2023 vermissen. Zudem beruht die Forderung in weiten Teilen auf nicht nachvollziehbaren Annahmen. Krieg, Energie- und Gas-Krise, Lieferkettenproblematik, Transformation und Corona-Pandemie hatten und haben einen gravierenden Einfluss auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unserer Unternehmen.

Gewerkschaftsbonus ist tarifpolitischer Irrweg

Im Hinblick auf einen Gewerkschaftsbonus stellte Prof. Dr. Richard Giesen heraus: „Ein Gewerkschaftsbonus ist im individuellen Arbeitsverhältnis entweder rechtswidrig oder er wird auch nicht-tarifgebundenen Arbeitnehmern gezahlt.“

Tarifpolitisch lehnen wir als Tarifvertragspartei der Metall- und Elektroindustrie Gewerkschaftsboni strikt ab. Die Mitgliedergewinnung der Gewerkschaft ist nicht Aufgabe der Arbeitgeberseite. Wichtig ist und bleibt es, alle Arbeitnehmer in einem Unternehmen fair und gerecht zu behandeln, anstatt sie durch Extrazuwendungen für Gewerkschaftsmitglieder zu verunsichern und damit den Betriebsfrieden zu gefährden. Ein Gewerkschaftsbonus ist ein tarifpolitischer Irrweg.

24-Stunden-Streik ist rechtswidrig

Die IG Metall hat ein neues Streikkonzept entwickelt, das neben den klassischen Streikformen des Warnstreiks und des unbefristeten Streiks nach einer Urabstimmung einen „Warnstreik Plus“ vorsieht. Ein solcher „Warnstreik Plus“, der erstmals in der Tarifrunde 2018 eingesetzt wurde, dauert bis zu 24 Stunden, konzentriert sich auf Schlüsselbetriebe und wird von der IG Metall durch die Zahlung einer Streikunterstützung an die streikenden, gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer gefördert. Dies stellt eine massive Verschärfung im Vergleich zu klassischen Warnstreiks dar und steht im Widerspruch zum Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.