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Autor*in des Beitrags

Enno Schad

Geschäftsführer Tarif / Kollektive Arbeitsbedingungen / Arbeitswissenschaft

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Tarif | Information | 30.05.2022

Moderne und interessengerechte Flächentarifverträge in der M+E Industrie

Bericht aus der Online Veranstaltung Fokus Tarif – Moderne und interessengerechte Tarifverträge

In unserer Online-Veranstaltung Fokus Tarif – Moderne und interessengerechte Tarifverträge diskutierten der Hauptgeschäftsführer des vbm, Bertram Brossardt, und der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Johann Horn, darüber, wie die Tarifverträge modern und interessengerecht ausgestaltet werden können. Hierzu stellt Bertram Brossardt klare Anforderungen: „Einfach, schlank, flexibel und durch Beschränkung auf Mindeststandards eine Heimat für alle Unternehmen“. Für Herrn Horn war klar: „Tarifverträge müssen zeitgemäß sein und sind von den gegenseitigen Interessen beeinflusst.“

Tarifvertrag ist das richtige Werkzeug

Bertram Brossardt und Johann Horn sind sich einig, dass der Tarifvertrag das richtige Werkzeug ist die aktuellen Herausforderungen zu bestehen. Oberstes Ziel muss es sein, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und Beschäftigung zu erhalten und zu stärken. Während der Tarifvertrag auf der einen Seite bereits viele aktuelle Themen behandelt und damit modern ist, muss er dennoch an anderen Stellen auf seine Modernität überprüft werden. „Hier müssen wir auch selbstkritisch sein“, sagt Bertram Brossardt. In der aktuellen Situation sei die Stabilisierung und Sicherung der Unternehmen und der Arbeitsplätze oberstes Gebot, so Brossardt.

Verschiedene Sichtweisen

Hinsichtlich der konkreten Ausgestaltung moderner Tarifverträge lagen die beiden Gesprächspartner in einzelnen Punkten aber auch auseinander. Insbesondere in Bezug auf modulare Tarifverträge, die für bestimmte Fallgestaltungen Lösungspakete vorsehen, vertreten Brossardt und Horn gegenteilige Ansätze. Der vbm Hauptgeschäftsführer fordert: „Wir müssen mehr Heterogenität abbilden, Abweichungsmöglichkeiten durch Öffnungsklauseln schaffen und die automatische Differenzierung fest verankern“.

Johann Horn hingegen sieht keine Lösung darin, tarifliche Leistungen in die Disposition der Betriebsparteien zu stellen. Aus Sicht des Bezirksleiters der IG Metall Bayern fehle es in der Transformation vielen Unternehmen an einer qualitativen Personalplanung. Der Qualifizierungsbedarf müsse gemeinsam mit dem Betriebsrat systematisch ermittelt werden. Auf dieser Basis könnten Zukunftstarifverträge helfen, die Transformation zu meistern. Darüber hinaus bemängelte Horn die Verlagerung der Lieferketten ins billigere Ausland. Dies mache uns, wie die aktuelle Krise zeige, anfällig. Hierfür komme der Sozialstaat auf, was aber nicht dauerhaft leistbar sei.

Konsens war, dass Öffnungsklauseln ein geeigneter Weg seien, die konkreten Bedürfnisse der Betriebe abzubilden. Darüber hinaus können Ergänzungstarifverträge helfen, besondere Situationen abzubilden. Diese Partnerschaft funktioniert in Bayern sehr gut.

Gemeinsam an einem Strang

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass die Tarifvertragsparteien verschiedene und auch gegenläufige Interessen vertreten. Dennoch müssen und wollen Sie gemeinsam für die Unternehmen und die Beschäftigten moderne Regelungen finden, die Stabilität in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie gewährleisten.

Vortragende und Podiumsteilnehmer

  • Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer, vbm – Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V.
  • Johann Horn, Bezirksleiter, IG Metall Bayern