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05.08.26 | Pressemitteilung

Strukturkrise hinterlässt am M+E Ausbildungsmarkt deutliche Spuren – Prognose für 2027 leicht optimistisch

  • Ausbildungszahlen in Bund und Freistaat branchenübergreifend rückläufig – Lage in Bayern etwas besser
  • Ausbildungsverträge in der bayerischen M+E Industrie sinken 2026 um 10,4 Prozent auf 12.000 – 2027 Stabilisierung erwartet
  • Übernahmesituation mit fast 90 Prozent weiter auf sehr hohem Niveau
  • Praktikumsangebot weiter hoch – Gewinnung von Nachwuchskräften bleibt wichtige Zukunftsaufgabe

Die Zahl der abgeschlossenen M+E Ausbildungsverträge in Bayern ist 2026 im Vergleich zum Vorjahr erneut deutlich gesunken. Mit 12.000 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen erwartet die bayerische Metall- und Elektroindustrie als Schlüsselbranche in Bayern für den Ausbildungsstart im September einen deutlichen Rückgang um 10,4 Prozent. Damit fällt das Minus nach 10,9 Prozent im Jahr 2025 das zweite Mal in Folge zweistellig aus. Geschuldet ist das negative Stimmungsbild der anhaltenden Struktur- und Konjunkturkrise, die sich massiv auf den sonst so stabilen Ausbildungsmarkt und insbesondere die M+E Industrie niederschlägt. Gleichzeitig finden die Unternehmen weiterhin nur schwer qualitativ geeignete Bewerber. Die Prognose für 2027 fällt trotz der angespannten Lage etwas optimistischer aus, die Betriebe rechnen mit einer Stabilisierung der Ausbildungsverhältnisse. Das geht aus der aktuellen Sommerumfrage der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm zur Ausbildungslage in den Mitgliedsunternehmen hervor.

bayme vbm Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt erläutert die Umfrageergebnisse: „Das hohe Niveau aus den Vorjahren konnte bereits 2025 nicht gehalten werden und auch 2026 macht sich die Struktur- und Konjunkturkrise in der Industrie bemerkbar. Dennoch ist die Lage in Bayern insgesamt aus Sicht der Jugendlichen branchenübergreifend deutlich besser als im Bund. So stehen bei uns im Freistaat jeder Bewerberin und jedem Bewerber branchenübergreifend etwa 1,4 gemeldete Ausbildungsplätze zur Verfügung, auf Bundesebene sind es nur 1,05 Ausbildungsplätze. Aber auch für Bayern gilt: Wäre die wirtschaftliche Lage besser, würden die Unternehmen insbesondere im M+E Bereich mehr ausbilden. So gibt in der Umfrage mit 32,1 Prozent rund ein Drittel der Unternehmen an, dass sich die wirtschaftliche Lage maßgeblich auf den Rückgang der abgeschlossenen Verträge auswirkt, weitere 35,8 Prozent geben an, bereits über genug personelle Ressourcen zu verfügen – der Bedarf an Azubis hat also eine Sättigung erreicht. Angesichts der angespannten Lage ist das Reformpaket der Bundesregierung ein wichtiges Signal, dass sich in Deutschland wieder etwas bewegt. Wir brauchen jetzt eine zügige Umsetzung der Pläne. Gelingt der Umschwung, könnten auch die Ausbildungszahlen wieder steigen.“

Neben der wirtschaftlichen Lage bleibt die Suche nach passenden Azubis für die M+E Unternehmen bei der Besetzung ihrer offenen Ausbildungsplätze mittel- und langfristig eine zentrale Herausforderung. Von den Betrieben, die einen Rückgang verzeichnen, nannte mit 46,9 Prozent weiterhin die Mehrheit das Fehlen geeigneter Bewerberinnen und Bewerber als stärkste Ursache für den Rückgang an abgeschlossenen Verträgen. 25,9 Prozent gaben an, dass zu wenig Bewerbungen eingingen. Brossardt ergänzt: „Das Matching zwischen Unternehmen und Azubis bleibt eine Herausforderung.“

Die Übernahmesituation in der bayerischen M+E Industrie ist indes ungeachtet der äußeren Umstände weiter gut. Die Unternehmen planen für das laufende Jahr, fast 90 Prozent der Azubis befristet oder unbefristet zu übernehmen. Erfolgt keine Übernahme, geschieht dies meist auf Wunsch des Azubis. Für 2027 verbessert sich die Übernahmequote noch einmal auf voraussichtlich knapp 96 Prozent. Brossardt macht klar: „Die Übernahmequote ist kontinuierlich hoch. Das zeigt den Willen der Unternehmen, ihre ausgelernten Azubis langfristig an sich zu binden. Gleichzeitig bemühen sie sich auch weiterhin, die Azubis früh auf sich aufmerksam zu machen und für eine Ausbildung zu begeistern. So geben 89,8 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie ihr Praktikumsangebot auch 2026 stabil halten können.“

Die Vergütung in der bayerischen M+E Industrie ist für Jugendliche traditionell sehr attraktiv. Das Durchschnittsgehalt über alle Ausbildungsjahre hinweg ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt seit dem 01. April 2026 nun bei 1.389 Euro. Brossardt fasst zusammen: „Langfristig bleibt die Nachwuchsgewinnung für die Unternehmen eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben. Wir unterstützen sie dabei mit Initiativen wie dem Projekt ‚come with(me)‘ zur praxisnahen Berufsorientierung in enger Kooperation zwischen den Unternehmen, Mittel- sowie Berufsschulen. Im Projekt erhalten Jugendliche spannende Einblicke in die Welt der M+E Industrie und werden dabei von einem Azubi aus dem Unternehmen eng begleitet. Mit bayernweit 166 beteiligten Schulen und 108 Unternehmen ist ‚come with(me)‘ ein Erfolgsmodell.“