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22.07.26 | Pressemitteilung

Industrie erholt sich leicht – Erwartungen sinken aber / Prager: „Konjunktur- und Strukturkrise dämpfen die Geschäftserwartungen im In- und Ausland“

Die Lage in der niederbayerischen Metall- und Elektroindustrie bleibt durchwachsen. Die konjunkturelle Eintrübung im zweiten Halbjahr 2025 wirkt weiterhin nach und die Industrie konnte sich nur leicht erholen. „Die Talfahrt der bayerischen M+E Industrie ist zwar weniger steil, aber bergauf geht es noch lange nicht. Es ist ein dramatisches Zeichen, dass das Herz der bayerischen Wirtschaft immer weiter ausblutet. Wir müssen diesen Prozess stoppen, bevor die Deindustrialisierung nicht mehr aufzuhalten ist. Das jüngste Reformpaket der Bundesregierung zeigt den politischen Willen zur Veränderung. Es kann und darf aber nur ein erster Schritt in die richtige Richtung gewesen sein. Wichtig ist, dass jetzt nicht nachgelassen wird: Tempo und Entschlossenheit müssen auch bei der Reduzierung der Arbeitskosten und der Flexibilisierung der Arbeitszeit beibehalten werden. Nur so schaffen wir den Wechsel vom Abschwung zum Aufschwung“, fasst Andreas Prager, Vorstandsmitglied der Region Niederbayern der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm, die Ergebnisse der aktuellen Umfrage unter den bayme vbm Mitgliedsunternehmen zusammen, die heute in Passau vorgestellt wurden.

Laut Umfrage erholte sich die aktuelle inländische Geschäftslage leicht gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025, der Saldo aus positiven und negativen Antworten liegt im Inlandsgeschäft bei +7,2 Punkten. Das Auslandsgeschäft liegt mit -13,1 Punkten weiter im Minus und ist gegenüber der Winterumfrage nahezu stagniert. Größere Sorgen bereiten die sich eintrübenden Erwartungen, die zwar noch im positiven Bereich liegen, aber im Vergleich zum Winter deutlich gesunken sind. Die Erwartungen für das Inlandsgeschäft liegen im Saldo bei +11,6 Punkten und im Auslandsgeschäft nur noch bei +5,8 Punkten. „Die Unternehmen sehen die nähere Zukunft wieder negativer als noch vor einem halben Jahr, das ist mehr als bedenklich. In der schwierigen Gesamtsituation aus lahmender Struktur- und Konjunkturkrise fehlt zunehmend die Hoffnung auf Besserung“, so Prager.

Die Produktionspläne für das Inland liegen erfreulicherweise im Plus. „Es bleibt trotzdem dabei, dass von der Produktion keine nennenswerten Impulse gesetzt werden“, erklärt Prager und ergänzt: „Im Ausland wird die Produktion nach wie vor stärker ausgebaut. Ein klares Indiz für den Kostennachteil im Inland.“ Bei den Investitionsplänen der M+E Unternehmen besteht nach wie vor eine Lücke zwischen In- und Ausland. So sind die inländischen im Saldo zwar leicht positiv (+9,8 Punkte), die ausländischen sind dagegen aber mit +19,9 Punkten klar höher. „Die Investitionszurückhaltung im Inland nimmt immer weiter zu, während Investitionen in das Ausland zunehmend attraktiver für immer mehr unserer niederbayerischen Firmen werden. Wir hoffen, dass der beschlossene Bürokratieabbau und die weiteren Entlastungsmaßnahmen hier zu einem Umdenken führen. Gefragt sind aber auch die Tarifpartner, die in der anstehenden Tarifrunde im Herbst die Weichen für die Zukunftsfähigkeit der M+E Industrie über die Arbeitskosten entscheidend beeinflussen können. Denn diese sind ein entscheidender Standortfaktor, vor allem im Hinblick auf die Beschäftigung“, so Prager.

Die Beschäftigungspläne der niederbayerischen M+E Unternehmen sind im Saldo positiv. Trotzdem sehen sich knapp neun Prozent der Unternehmen gezwungen, Beschäftigung abzubauen. Weiterhin befinden sich gut 50 Prozent der Unternehmen in einem kritischen Ertragsbereich. „Dass das nicht lange gut gehen kann, sollte jedem klar sein“, berichtet Prager.

Die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit bleibt daher eine Daueraufgabe. Denn auch das außenwirtschaftliche Umfeld belastet die Unternehmen durch US-Importzölle und den weiter schwelenden Irankrieg. Laut Umfrage bleiben die handelspolitische Ungewissheit und drohende neue Zölle das größte Risiko. Der Iran-Krieg ist hingegen ein genereller Kostenreiber, für Materialen und Rohstoffe, für Energie und für Transport- und Frachtkosten. „Wir setzen auf ein baldiges tatsächliches Ende der Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran sowie darauf, dass die beteiligten Parteien am Verhandlungstisch Lösungen finden“, sagt Prager.

Link zur Auswertung: www.baymevbm.de/konjunkturumfrage