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Konjunkturreport | 10/26
Blitzumfrage unter Mitgliedsunternehmen von bayme und vbm
Fast 40 Prozent der Unternehmen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht. Nur etwas mehr als 20 Prozent berichten hingegen von einer guten Geschäftslage. „Die Konjunktur- und Strukturkrise in der Industrie schlägt weiter auf die Unternehmen durch. Beschäftigungsabbau und Insolvenzen bleiben auf der Tagesordnung, da profitables Wirtschaften durch zu hohe Kosten vielfach nicht mehr möglich ist. Zwar sind die Auftragseingänge im laufenden Jahr wieder etwas angestiegen, das bedeutet für den Standort Bayern aber keine Entwarnung. Mehr als jedes zweite Unternehmen berichtet, dass neu eingehende Aufträge nicht oder nur noch teilweise in Produktion am Standort resultieren. Drei Viertel dieser Unternehmen leiten Aufträge an ausländische Standorte weiter. Dies geschieht auch, weil sich die Fertigung hier am Standort schlicht nicht mehr rechnet. Klar ist: Wir müssen die Arbeitskosten begrenzen und wir brauchen zeitnahe Reformen. Das muss kommen, bevor der Zug abgefahren ist“, kommentiert Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der bayerischen M+E Arbeitgeberverbände bayme vbm, die Ergebnisse einer Blitzumfrage unter fast 300 Unternehmen der Branche.
Nur 15 Prozent der Unternehmen wollen in den kommenden Monaten Beschäftigung im Inland aufbauen, während fast 40 Prozent Stellen abbauen müssen. In dieses Bild passt auch, dass über 30 Prozent der Unternehmen damit rechnen, dass sie am Standort Bayern in den nächsten Jahren schrumpfen werden. Rund vier Prozent der Unternehmen müssen sogar ganze Standorte aufgeben. Demgegenüber stehen lediglich knapp 20 Prozent der Unternehmen, die in den nächsten Jahren in den Ausbau von Standorten in Bayern investieren können und wollen. „Die Ergebnisse sind mehr als ein Warnsignal, denn Investitionen finden mittlerweile überwiegend im Ausland statt. Wir verlieren damit Stück für Stück unseren industriellen Kern, einen Grundpfeiler unseres Wohlstands. Die aktuellen Forderungen der IG Metall in der Tarifrunde 2026 widersprechen den tatsächlichen Gegebenheiten, ignorieren die Fakten und gefährden Unternehmen, Arbeitsplätze und Beschäftigte“, so Brossardt.
Die Forderung nach einer tariflichen Gewinnbeteiligung im Flächentarif lehnt die weit überwiegende Mehrheit der Unternehmen ab. Laut Umfrage zahlen 45 Prozent der tarifgebundenen Unternehmen bereits eine außertarifliche erfolgsabhängige Zahlung. „Eine tarifliche Gewinnbeteiligung würde komplett ins Leere laufen. Wir dürfen gut gehende Unternehmen nicht durch ihre Zugehörigkeit im Flächentarifvertrag bestrafen. Weit schlimmer wiegt, dass ein Bumerangeffekt entsteht, der die Unternehmen aus dem Flächentarif treibt. Damit sägt die IG Metall an ihrer eigenen Zukunft. Das kann nicht im Interesse der Gewerkschaften sein“, betont Brossardt.
Laut bayme vbm hat fast jedes zweite bayerische M+E Unternehmen Standorte im Ausland. In neun von zehn Fällen haben diese in den vergangenen Jahren positiv zum Unternehmensgewinn beigetragen, vielfach in überdurchschnittlichem Maße. „Eine tarifliche Gewinnbeteiligung würde also in zahlreichen Fällen bedeuten, dass die Beschäftigten in Deutschland eine Prämie für Gewinne erhielten, die ihre Kollegen im Ausland erwirtschaftet haben“, erklärt Brossardt und fügt hinzu: „Eine nochmalige Verteuerung der bayerischen Standorte befeuert die Verlagerung ins Ausland. Wir fordern die IG Metall daher mit Nachdruck auf, von ihrer Forderung nach einer tariflichen Gewinnbeteiligung Abstand zu nehmen.“