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22.09.26 | Pressemitteilung
Pressestatement zum Forderungsbeschluss der IG Metall Bayern
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des vbm – Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V., zum heutigen Forderungsbeschluss der IG Metall Bayern in der Tarifrunde 2026:
„Die Forderungen der IG Metall Bayern sind in der Höhe überzogen, wirtschaftlich nicht tragfähig und verkennen die heterogene Lage der M+E Industrie. Die gewünschte Tarifsteigerung würde die Unternehmen inakzeptabel belasten, einen weiteren Verlust an Wettbewerbsfähigkeit bedeuten und den Beschäftigungsabbau beschleunigen. Eine tarifliche Gewinnbeteiligung, also den Ansatz, wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen extra zur Kasse zu bitten, lehnen wir entschieden ab. Er stellt das System des Flächentarifvertrags grundsätzlich in Frage. Hier stehen wir an einem Kipppunkt der Tarifbindung. Die geforderte soziale Komponente für untere Entgeltgruppen führt zur weiteren Verteuerung von Produktionsarbeit und erhöht den Verlagerungsdruck. Wir wollen Arbeit und Wertschöpfung in Bayern halten.
Selbst die aktuelle IG Metall Umfrage zur Tarifrunde 2026 ergab, dass es der Mehrheit der Betriebe nicht gut geht. Und dennoch fordert die Gewerkschaft eine Entgelterhöhung um 5 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Das heizt die Verlagerungstendenzen weiter an und nimmt den Unternehmen die dringend benötigten Mittel für Innovationen und Investitionen. Unverständlich ist auch die geforderte Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 110 Euro, da es bereits in der Tarifrunde 2024 eine außerordentliche Erhöhung um 140 Euro und um zusätzlich 3,1 Prozent gegeben hatte.
Die Forderung nach einer zusätzlichen Zahlung für gut gehende Unternehmen stellt das Prinzip eines Flächentarifvertrags, nämlich die einheitlichen Regelungen der Arbeitsbedingungen einer Branche, sehr grundsätzlich in Frage. Während die in den zurückliegenden Runden vereinbarte Möglichkeit, Tarifleistungen bei schwieriger wirtschaftlicher Situation des Unternehmens auszusetzen, dazu beiträgt, die Tarifbindung zu erhalten, bewirkt die umgekehrte Richtung das genaue Gegenteil. Der Flächentarifvertrag wäre für diese Unternehmen nutzlos und damit am Ende. Klar ist, wer für Erfolg bestraft wird, steigt aus dem Flächentarif aus. Die IG Metall spielt hier mit ihrer eigenen Zukunft. Bei allem Verständnis für die Belange der Beschäftigten verkennt die IG Metall die schwierige Lage für die deutlich überwiegende Mehrheit der bayerischen M+E Betriebe.
So liegt die Produktion der bayerischen M+E Industrie aktuell um mehr als 15 Prozent unter dem Niveau von 2018, dem letzten wirtschaftlich wirklich guten Jahr. Das ist ein Tiefpunkt. Die Auftragseingänge erholen sich nur langsam, außerdem konzentrieren sich die Zuwächse auf einzelne Wirtschaftszweige. 40 Prozent der bayerischen M+E-Firmen berichten weiterhin von Produktionsbehinderungen durch fehlende Aufträge. Das zeigt, dass die Deindustrialisierung weiter am Laufen ist. Für eine dauerhafte Reindustrialisierung müssen wir unseren Standort wieder fit machen und die Kosten senken, damit die Unternehmen in Bayern wieder investieren und Innovationen auf den Weg bringen können. Nur so lässt sich der Beschäftigungsabbau stoppen und umkehren.
Denn dieser hält unvermindert an: So sank die Zahl der Beschäftigten in der bayerischen M+E Industrie in den ersten sieben Monaten des Jahres um fast 11.000. Seit dem letzten Höchststand im Januar 2024 gingen sogar über 37.000 Stellen verloren. Aktuell zählt die bayerische M+E Industrie noch rund 836.000 Beschäftigte. Vor gut zwei Jahren waren es noch fast 875.000. Wir fordern daher die IG Metall auf, mit Augenmaß tragfähige Lösungen zu finden, die sowohl die Interessen der Beschäftigten als auch die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen berücksichtigen. Das muss das Ziel in dieser Tarifrunde sein.“